Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kongresswahlkampf - Kontroverse um Kerry, MoJ, 2.11.2006



John Kerry, der ehemalige Praesidentschaftskandidat der Demokraten, steht bei den bevorstehenden Kongresswahlen gar nicht zur Wahl. Aber mit der Bemerkung vor Studenten, wer nicht nicht gut lernt, der kann leicht im irakischen Morast landen, hat er derart heftige Kritik aus allen politischen Lagern ausgeloest, dass dem Senator schliesslich nichts anderes uebrig blieb als sich zu entschuldigen. Die Republikaner versuchen mit Kritik an Kerry wenige Tage vor der Wahl in die Offensive zu gehen.
Drei Tage lang beschaeftigt jetzt schon John Kerry mit seinem missglueckten Scherz die amerikanischen Medien, zum grossen Entsetzen der Demokraten, die in den letzten Tagen vor dem Wahltermin vor allem ueber den Irakkrieg diskutieren wollen. Fuer die Republikaner kommt die Kontroverse ueber die ungeschickte Aeusserung des demokratischen Senators dagegen wie ein Geschenk des Himmels. Ausfuehrlich beschaeftigt sich der Pressesprecher des Weissen Hauses seit Tagen mit den seiner Meinung nach abschaetzigen Worten Kerrys ueber die Soldaten im Irak. Schon laeuft ein Fernsehspot der Republikaner, den Demokraten sei eben doch nicht zu trauen, wenn einer der Ihren derart ueber die eigenen Soldaten spottet. Jeden Tag versichert der Praesident, wie entsetzt er sei ueber den fehlenden Respekt gegenueber den Streikraeften. Dass der Senator beteuert, er habe die Regierung Bush und nicht die Soldaten gemeint, nehmen ihm selbst die eigenen Parteifreunde nicht ab. Wer nicht gut studiert, der kann leicht im Morast im Irak landen, hatte Kerry gescherzt. Noch gestern frueh weigerte er sich hartnaeckig Asche auf sein Haupt zu streuen. Doch als John Kerry ploetzlich auch von demokratischen Wahlveranstaltungen ausgeladen wurde, da blieb nur mehr die Notbremse in Form genau jener Entschuldigung, die er fast drei Tage lang verweigert hat. Am Wahlkampf will der ehemalige Praesidentschaftskandidat jetzt nicht mehr teilnehmen. Den Demokraten, die sich schon als Sieger der kommenden Kongresswahlen ansehen, ist der Schreck auf jeden Fall gehoerig in die Glieder gefahren. Beweist die Kontroverse um John Kerry doch, mit welch traumwandlerischer Sicherheit die republikanischen Wahlstrategen selbst die kleinste Bloesse des politischen Gegners auszunuetzen wissen.


 

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