Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Konjunkturpaket der EU, Vorschau, MoJ, 26.11.2008

Die genauen Zahlen wird Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso erst heute Mittag, nach der Sitzung der Europäischen Kommission verkünden, Aber der Rahmen ist klar: mindestens ein Prozent ihrer Wirtschaftsleistung sollen die EU-Staaten in den Kampf gegen die Rezession stecken. Die Rede ist von etwa 130 Milliarden Euro. Dazu werden die strengen Regeln des Stabilitätspaktes, der eine Obergrenze beim Budgetdefizit von 3 Prozent des Bruttonationalproduktes vorsieht, weitgehend aufgehoben. Und zwar für die nächsten 2, 3 Jahre, so lange der Schock der Krise eben dauert.
Neue Staatsschulden machen Sinn, lautet jetzt die Botschaft der EU, wenn sie zeitlich begrenzt sind und helfen den Schock des Abschwunges zu mildern. Das irische Defizit wird demnächst über 7 Prozent hinaufschnellen, in Großbritannien rechnet man mit einem ähnlich neuen Schuldenberg.
Die Europäische Kommission will alle EU-Staaten, unabhängig von ihrem Defizit, dazu auffordern, sich durch Steuerkürzungen und neue Staatsausgaben am Kampf gegen die Rezession zu beteiligen.
Das im Stabilitätspakt vorgesehene gefürchtete Defizitverfahren bei einer Überschreitung der 3-Prozentgrenze bleibt pro forma bestehen. Aber ein Abbau des Defizits soll erst dann eingemahnt werden, wenn die Wirtschaft sich wieder normalisiert hat.
Die Kommission will selbst für die nächsten Jahre geplanten Ausgaben vorziehen, um ihren Beitrag zu leisten. Aber das EU-Budget ist viel zu klein Das Gros des Konjunkturpakets wird aus den nationalen Budgets gespeist werden müssen.
Nicht aufgegriffen wurde die Idee mancher Ökonomen in ganz Europa die Mehrwertsteuer mit einem Schlag zu senken. Nur Großbritannien hat sich bisher dazu durchgerungen.
Nicht alle EU-Staaten brauchen die gleiche Medizin, sagt Kommissionspräsident Barroso.
Tatsächlich verfolgen die 27 Finanzminister der EU teilweise recht unterschiedliche Strategien. Frankreich und Deutschland sind gegenüber Mehrwertsteuersenkungen skeptisch, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel steht sowieso auf der Bremse. Erst wenn sich in einigen Monaten herausstellt, dass die bisherigen Schritte nicht ausreichen, will sie weiteren Konjunkturmassnahmen zustimmen.
Nach dem detaillierten Vorschlag der Europäischen Kommission heute laufen die Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten weiter. Entscheiden muss dann der EU-Gipfel Mitte Dezember.


 

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