Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kontroverse um Alberto Gonzales, Abendjournal, 5.1.2005

Morgen beginnt in Washington die Befragung des zukuenftigen amerikanischen Justizministers Alberto Gonzales. Die Nominierung des bisherigen Rechtsberaters im Weissen Haus ist umstritten, weil der Jurist die Aussetzung der Genfer Konvention fuer Terrorverdaechtigte befuerwortet und scharfe Verhoermethoden genehmigt hat, die traditionell unter den Begriff der Folter fallen. Das morgige Hearing koennte zu der seit langem wichtigsten Auseinandersetzung um Rechtsstaat und Menschenrechte in der amerikanischen Antiterrorpolitik werden.
Alberto Gonzales wird als Justizminister ein Schwergewicht der zweiten Amtszeit des Praesidenten sein, und ab morgen frueh muss er sich im Justizausschuss den Fragen der Senatoren stellen. Angesichts der klaren republikanischen Mehrheit im Senat bestehen kaum Zweifel, dass der enge Vertraute des Praesidenten gruenes Licht bekommen wird. Aber vor allem seine Rolle bei der Debatte um die rechtsstaatlichen Standards des Kampfes gegen den Terrorismus sorgt schon im Vorfeld fuer Kontroversen.
Die Frage der Folter wird im Zentrum des Hearings stehen, kuendigen die Demokraten an. Eine Gruppe hochrangiger ehemaliger Militaers mit Ex-Generalstabschef Shalikasvili an der Spitze beschuldigt Gonzales oeffentlich, er habe durch eine Lockerung des Folterverbots die Ehre Amerikas befleckt und amerikanische Soldaten gefaehrdet.
Konkret geht es ein inzwischen zurueckgenommenes Memorandum , das dem Praesidenten im Antiterrorkrieg grundsaetzlich die Kompetenz zuspricht, das internationale Folterverbot zu ignorieren. Auf Anfrage des CIA wurde der Begriff Folter so weit gefasst, dass physische Schlaege, Schlafentzug und Scheinhinrichtungen nicht mehr darunter fielen. Kritiker sagen, das durch diese Anweisungen von ganz oben, illegalen Praktiken wie im Gefaengnisskandal von Abu Graib Tuer und Tor geoffnet wurden. Auch die Entscheidung der Regierung gefangene Terrorverdaechtige aus Afghanistan ausserhalb der Genfer Konvention zu stellen, ging ueber den Schreibtisch des zukuenftigen Justizministers.
Alberto Gonzales ist als Sohn einer armen mexikanischen Einwanderungsfamilie an der Seite George Bushs ganz nach oben gekommen. Der Harvard-Absolvent war schon in Texas engster Rechtsberater des damaligen Gouverneurs, der ihn schliesslich auch in den Obersten Gerichtshof des Bundesstaates entsandte. Bewaehrt sich der zurueckhaltende Anwalt mit ausgepraegt konservativen Ansichten an der Spitze des sensiblen Justizministeriums in Washington, dann gilt er auch als moeglicher Kandidat fuer das amerikanische Hoechstgericht, sollte einer der Hoechstrichter tatsaechlich demnaechst ausscheiden.

 

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