Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kosovo-Unabhängigkeit und EU, MoJ, 18.2.2008

Die EU-Mitgliedsstaaten hatten sich schon im Vorfeld verständigt, ihre Haltung zur Anerkennung des Kosovo erst nach dem heutigen Außenministerrat in Brüssel bekannt zu geben. Dementsprechend vage bleibt man vorläufig auch den meisten EU-Hauptstädten. Nur Irland preschte vor, er werde seiner Regierung die baldige Aufnahme diplomatischer Beziehungen empfehlen, sagte der Außenminister in Dublin.
In Brüssel will man heute versuchen eine Art gemeinsame Minimalplattform zu formulieren, die sowohl Befürworter als auch Gegner einer baldigen Anerkennung unterschreiben können. Ein halbes Dutzend Mitgliedsstaaten, darunter Zypern, Griechenland, Spanien, die Slowakei, Rumänen und Bulgarien sind die Bremser. Über die genaue Formulierung eines gemeinsamen Dokuments wird heute wohl den ganzen Tag diskutiert werden. Zumindest als völkerrechtlich möglich soll die Anerkennung des Kosovo bezeichnet werden, das ist das Ziel der slowenischen Präsidentschaft.
Auf dieser Grundlage sollen dann noch heute Nachmittag die vier Großen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien ihre Bereitschaft zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Pristina erklären, so das in Brüssel gehandelte diplomatische Drehbuch. Möglichst viele andere EU-Mitglieder werden sich anschließen, so hofftt man, entweder ebenfalls heute bei den Pressekonferenzen der Außenminister in Brüssel nach dem Rat oder in den nächsten Tagen. Erkennen bis zu 20 EU-Staaten den Kosovo an, dann sei das zwar nicht völlig Einigkeit, aber doch die für die gewünschte internationale Wirkung geforderte kritische Masse einer klaren Mehrheit in der EU. Die Rechtshilfemission EULEX, die dem Kosovo helfen soll zu einem lebensfähigen Staat zu werden, ist sowieso schon vergangene Woche gemeinsam beschlossen worden.
Ein Unsicherheitsfaktor war in den vergangenen Wochen immer Zypern, das sich lange gegen alle Schritte gestellt hat, die in Richtung Unabhängigkeit des Kosovo gegangen sind. Dass die Zyprioten ihren als Hardliner geltenden langjährigen Präsidenten Tassos Papadopoulos gestern abgewählt haben, könnte diese Front aufweichen. Dafür verhärtet sich die Haltung Spaniens, wo in wenigen Wochen Parlamentswahlen bevorstehen. Die baskische Regionalregierung hat die Vorgänge auf dem Balkan bereits als Beispiel gepriesen, wie nationale Minderheiten auf demokratischem Weg zu einem eigenen Staat kommen können. Zum großen Entsetzen der großen Parteien in Madrid.

 

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