Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kosovo - die Optionen der EU, MoJ, 29.9.2007

Dass die direkten Verhandlungen zwischen den Präsidenten und Regierungschefs Serbiens und des Kosovo in New York einen Durchbruch bringen, erwartet in Brüssel kaum jemand mehr. Die europäische Diplomatie versucht zwar mit ungewohnter Kreativität doch noch irgend eine Art von Verständigung zwischen den verfeindeten Parteien möglich zu machen, aber die grundlegenden Positionen Belgrads und Pristinas liegen zu weit auseinander. Die Albaner wollen die historische Chance zur Unabhängigkeit nicht vorbei gehen lassen. Belgrad kann sich alles vorstellen, nur keine formelle Trennung. Auch die von italienischer Seite eingebrachte Idee eines serbisch-kosovarischen Staatenbundes haben an dieser Frontstellung nichts geändert.
Gegen den Willen Serbiens wiederum ist Russland nicht gewillt im UNO-Sicherheitsrat einer Lösung zuzustimmen, die auf die Selbständigkeit des Kosovo hinausläuft. Eine einseitige kosovarische Unabhängigkeitserklärung gilt dann als so gut wie sicher. Europäer ebenso wie Amerikaner, suchen jetzt nach einem völkerrechtlich argumentierbaren Weg, die internationale Präsenz in der Krisenregion auch nach einem solchen Schritt aufrecht zu erhalten. An einen Abzug der NATO-Friedenstruppen und ein Ende der geplanten zivilen EU-Verwaltung will niemand denken.
Das Problem dabei: die UNO-Resolution 1244, die als völkerrechtliche Grundlage der gegenwärtigen Situation gilt, geht von der territorialen Integrität Jugoslawiens aus, dem heutigen Serbien. Ein unabhängiger Kosovo würde rasch von den USA und auch den meisten EU-Mitgliedsstaaten anerkannt, die rechtliche Fiktion der serbischen Souveränität über Kosovo wäre damit beendet. Wie in einer solchen dramatisch geänderten politischen Lage die alte UNO-Resolution aus der Phase nach dem letzten Jugoslawien-Krieg 1999 noch angewendet werden kann, das beschäftigt zur Zeit die Experten in Brüssel ebenso wie in New York. Schließlich brauchen alle internationalen Organisationen im Kosovo, UNO, NATO und EU ab dem 10.Dezember eine völkerrechtliche Basis, sollte Pistina sich dann für unabhängig erklären.
Für die EU bringt der Streit eine zusätzliche Belastung der Beziehungen zu Russland. Russland könnte in einem unabhängigen Kosovo einen Präzedenzfall sehen, und daraus eine Legitimation für separatistische Bewegungen im Kaukasus oder auf dem Balkan ableiten. Die kleine prowestliche Kaukasusrepublik Georgien zum Beispiel kämpft mit den Sezessionsbestrebungen der Abchasen und Osseten, die von Moskau unterstützt werden. Georgien drängt zur NATO, Moskau will die Kontrolle über möglich viele ehemalige Sowjetrepubliken zurückgewinnen.
Bei so viel Konfliktstoffen wäre es schon ein Erfolg, wenn Russen, Amerikaner und Europäer sich nicht in die Haare gerieten, wenn nach einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo der Status von NATO-Soldaten und EU-Verwaltungsbeamten neu definiert werden muss.

 

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