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Kritik an
Katrina-Hilfsmassnahmen, ZiB 2, 2.9.2005
Wie berechtigt ist die wachsende Kritik an den Hilfsmassnahmen in Louisiana
und Mississippi?
In der Oeffentlichkeit werden immer mehr Fragen gestellt, und das ist
angesichts dessen, was man weiss ziemlich verstaendlich. Was auffaellt,
das ist die dramatische Diskrepanz zwischen dem, was die Behoerden in
Washington sagen. Dass es sich naemlich um die groesste Hilfsaktion aller
Zeiten handelt, dass ungeheure Hilfsmittel in Bewegung gesetzt worden
und. Und der Lage in New Orleans: nach wie vor sterben dort Menschen,
viele sind in voellig verzweifelter Lage und von Hilfe ist wenig zu sehen.
Ein Beispiel: die Regierung in Washington sagt, dass 30 000 Nationalgardisten
mobilisiert worden sind. Die Journalisten in New Orleans berichten, dass
es sich hoecshtens um einige hunder Soldaten handelt.
Nach wie vor leben tausende Fluechtlinge ohne sanitaere Versorgung. Im
Stadium von New Orleans kommt es zu Todesfaellen, aber die Leichen werden
nicht weggebracht, das kann man im Fernsehen beobachten. Die Oeffentlichkeit
hat den Eindruck: das sind Szenen, wie man sie aus der Dritten Welt kennt,
aber nicht aus Amerika.
Die Quelle der Kritik sind vor allem die Journalisten im Katastrophengebiet,
die uber ungalubliches Chaos berichten. Die Politiker halten sich zumeist
zurueck, sie wollen nicht den Eindruck erwecken, dass sie von einer naturkatastrophe
profitieren wollen. Eine Ausnahme ist der Buergermeister von New Orleans
Ray Nagin, der sehr starke Worte findet. Aber die Frage ist immer: wo
liegt die Verantwortung des Bundes, der Gemeinden und der Bundesstaaten?
Der Praesident wird heute nach Mississoppi fliegen, ein besuch in Biloxi
ist vorgesehen. Er will sowohl mit Opfern als auch Helfern sprechen. Danach
ist ein Flug via Helikopter nach New Orleans geplant. Die Frage ist natuerlich:
warum unternimmt George Bush diese Reise erst heute? Die Frage ist auch:
warum reagiert der Kongress erst jetzt? In der Presse erinnert man an
den Fall von Terry Schiavo, die Frau, die in Florida im Koma gelegen ist.
Damals war die Angelegenheit der Kongressmehrheit sehr wichtig und man
ist innerhalb von Stunden zusammengekommen. Der Umkehrschluss jetzt waere:
New Orleans ist den Kongressabgeordneten nicht so wichtig. Die Diskussin
ist voll entbrannt.
Was allgemein auffaellt sind die sozialen und ethnischen Unterschiede.
Die Menschen in den Hotels sind zumeist weisse Angehoerige der Mittelklasse.
Inden Notunterkuenften sind dagegen zweimst amre und schwarze Buerger
untergebracht. Auch das fuehrt zu einer Diskussion ueber Unterschiede,
die sonst in Amerika leicht weggewischt werden.
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