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Charles Kupchan zu EU-USA-Gipfel,
MiJ, 17.6.2006
Als Europaexperte des angesehenen Council of Foreign Relations in Washington
ist Charles Kupchan ein ebenso kritischer wie hintergruendiger Beobachter
der europaeisch-amerikanischen Beziehungen. Das neue Interesse Amerikas
an guten Beziehungen zu den Europaern nach der Krise um den Irakkrieg
haelt er nicht fuer Schein.
OT
In der zweiten Amtszeit hat sich das Verhaeltnis der Regierung gegenueber
Europa deutlich verschoben, sagt Kupchon. Auf die Frage, ob ein staerkes
Europa auch im Interesse der USA ist, gibt es jetzt ein klares ja.
Es scheint eine Rueckkehr zu einem transatlantischen Geist zu geben. Es
gibt jetzt ein Aufeinander zugehen, dass wir nicht erlebt haben seit Bush
Praesident ist.
OT
Traurige Ironie ist es jedoch , so Charles Kupchan, das die EU just in
dem Augenblick zu straucheln begann, an dem Bush aufgewacht ist und erkannt
hat ja, ja wir moegen Euch doch.
Zerrissen durch den Verfassungsstreit, die Auseinandersetzung um islamische
Einwanderer und eine schwache Wirtschaft sei die EU heute nicht der starke
Partner, den die USA gerne haetten.
Dass der Iran das wichtigste Thema des Gipfels wird, erwartet auch der
amerikanische Europaexperte. Ob allerdings die gegenwärtige europäisch-amerikanische
Eintracht auch halten würde, wenn Teheran darauf besteht an der Urananreicherung
festzuhalten, bezweifelt Kupchan. Wenn es einmal um ernsthafte Sanktionen
geht oder gar militäriische Gewalt, könnten Europäer und
Amerikaner sich wieder auseinanderentwickeln.
Denn obwohl die Eliten auf beiden Seiten des Atlantiks versuchen, wieder
nett miteinander umzugehen, bleibt die Öffentlichkeit der Regierung
Bush gegenueber stark negativ eingestellt. Das sei einer der Gruende,
warum die EU-Politiker weiter so vorsichtig sind, argumentiert Charles
Kupchan.
OT
Sie treffen sich mit Bush einigen sich ueber dieses und jenes und fuegen
dann immer hinzu: uebrigends, schliesst Guantanamo. Stoppt die Folter,
tut was im Irak. Wenn sie das nicht sagen wuerden, dann haetten sie wahrscheinlich
viele Probleme mit ihren Waehlern.
Wie die österreichische Präsidentschaft aus der Sicht des amerikanischen
EU-Experten beurteilt wird?
OT
Die österreichische Präsidentschaft hat Schadensbegrenzung betrieben,
und das auf recht vernuenftige Weise. Die gegenwärtige Krise in der
EU seit dem Scheitern der EU-Verfasssung ist nach Meinung des amerikanischen
Experten die tiefste, seit der Gruendung. Die österreichische Praesidentschaft
konnte da nicht viel mehr tun als das Puzzle wieder zusammenzusetzen,
Raum fuer Initiativen war keiner da.
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