Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kurswechsel in US-Iranpolitik, ZiB 2, 31.5.2006

Bislang hatte der Iran mit seiner fundamentalistischen Fuehrung und dem offensiven Atomprogramm einen fixen Platz auf Amerikas Achse des Boesen.
Der Praesident versprach dem iranischen Volk seine Unterstuetzung im Kampf um die Freiheit, der Sturz des Regimes wurde zum kaum verhuellten Ziel der US Aussenpolitik.
Doch die Idee eines zweiten grossen Konflikts neben dem Irak wird immer unpopulaerer in den USA. Und bei den Vereinten Nationen erwies sich der Widerstand gegen Sanktionen staerker als erwartet.
So vollzog Aussenministerin Condoleeza Rice heute den schon seit laengerer Zeit diskutierten Kurswechsel:
CONDOLEEZA RICE
Sobald die Urananreicherung suspendiert wird, sind die USA bereit sich gemeinsam mit der EU mit iranischen Vertretern an den Verhandlungstisch zu setzen.
Die Europaer hatte lange auf diesen Schritt gewartet. Beim morgigen Gipfel in Wien am Sitz der Atomenergiebehoerde soll ein ganzes Paket von Anreizen praesentiert werden.
Auch George Bush bestaetigt, die USA wollen eine fuehrende Rolle bei einer diplomatischen Loesung spielen.
GEORGE BUSH
Militaerische Drohgebaerden sind aus dem Weissen Haus diesmal keine zu vernehmen.
In einem diplomatischen Hochseilakt wollen die USA beweisen, dass sie ernsthaft an einer friedlichen Loesung des Konflikts mit dem Iran interessiert sind. George Bush durchbricht sogar ein Tabu, wenn er erstmals direkte Verhandlungen mit dem Iran in Aussicht stellt. Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht. Denn sollte der Iran nicht auf sein Atomprogramm verzichten, wuerden sich die USA dann umso mehr berechtigt fuehlen, mit Sanktionen und anderen Zwangsmassnahmen vorzugehen.
Seit der islamischen Revolution vor einem Viertel Jahrhundert und der Geiselnahme amerikanischer Diplomaten gab es keinen Kontakt mehr zwischen den beiden STaaten. Die USA werfen den Mullahs die Unterstuetzung terroristischer Gruppen vor.
Erstmals gebrochen hat das Eis ausgerechnet der radikale iranische Praesident Ahmedinejad mit einem Brief an George Bush, voll der theologischen und politischen Vorwuerfe an die Adresse des Westens.
Aus dem Weissen Haus gab es darauf keine direkte Antwort. Aber zwischen Washington und Teheran hat ein vorsichtiges Abtasten begonnen.

 

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