Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Leterme Rücktritt, ZiB 1, 15.7.2008

Nach nur vier Monaten im Amt wirft in Belgien Premierminister Yves Leterme das Handtuch. Ein Jahr nach den letzten Parlamentswahlen steckt das Land damit von neuem in einer Regierungskrise, die auf die Gegensätze zwischen den Parteien der niederländischen sprechenden flämischen Volksgruppe und den französischsprechenden Wallonen zurückzuführen ist.
Eine so kurze Amtszeit, das ist Rekord. Erst vier Monate ist es her, da ist Yves Leterme feierlich von König Albert II angelobt worden.
Jetzt wurde der Premierminister das jüngste Opfer des Volksgruppenstreits in Belgien.
Tief in der Nacht musste Leterme beim König seinen Rücktritt einreichen.
Gescheitert ist der flämische Christdemokrat an den eigenen Parteifreunden,
weil er die ersehnte größere Autonomie für das niederländisch sprechende Flandern nicht rasch genug durchsetzen konnte.
Er hätte energischer sein müssen, und weniger auf die Franzosen hören sollen.
Ich sehe keine große Zukunft, nein.
Jetzt wartet alles gespannt auf den nächsten Schritt des Königs, der die Parteiführer aus beiden Volksgruppen zu Konsultationen geladen hat. .
Die belgischen Medien sprechen von einem neuen Tiefpunkt in der ewig langen politischen Krise des Landes. Und wieder steht auch das Gespenst einer Spaltung Belgiens im Raum.
Vergeblich hatten im Winter tausende für einen stärkeren Zusammenhalt Belgiens demonstriert. Die ärmeren Wallonen wollen den wirtschaftlichen Ausgleich mit dem reicheren flämischen Norden nicht aufgeben.
Radikale rechte Gruppen in Flandern sehen dagegen in der Lostrennung ihres Landesteils und in einem neuen flämischen Staat das Heil.

 

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