Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Leterme Rücktritt, ZiB 13, 15.7.2008

Wie groß die Gefahr eines Zerfalls Belgiens?
Es ist in letzten Jahren ganz eindeutig nicht gelungen die Auseinanderentwicklung der beiden Volksgruppen zu bremsen, man hat auch nicht den Eindruck, dass die Politiker das wollen.
Wallonen und Flamen leben in Welten, die immer weiter voneinander getrennt sind.
Was beide Landesteile zusammen hält ist die zweisprachige Hauptstadt Brüssel.
Aber nach den Stadtgrenzen, wenn das offizielle Flandern beginnt, dann ist es mit der Toleranz vorbei und der Streit tobt, ob man vor Gericht oder im Gemeinderat auch französisch sprechen darf.
Es ist eine bedenkliche Entwicklung.
Warum jetzt diese Krise, warum klappt es nicht in Belgien?
Man muss wissen: es gibt in Belgien keine belgischen politischen Parteien, das klingt merkwürdig, ist aber wirklich so.
Es gibt flämische Christdemokraten und wallonische Christdemokraten, flämische Sozialisten und Wallonische Sozialisten. Die sind völlig getrennt.
Die große Erwartung der Flamen, vor allem der flämischen Christdemokraten Letermes war, dass ein eine neue Welle der Dezentralisisierung geben wird, mit noch größeren Kompetenzen für das reichere Flandern, die konnte Leterme nicht durchsetzen.
Jetzt ist ihm seine eigene christdemokratische Partei nicht mehr gefolgt, die in einem Bündnis mit einer kleinen separatistischen nationalistischen Partei, die ein unabhängiges Flandern will.
Welche Möglichkeiten hat der König?
Möglich ist alles. Es kann Neuwahlen geben, einige Parteien verlangen das schon . Der König könnte genauso gut Leterme beauftragen noch monatelang weiter die Geschäfte zu führen. Es könnte auch ein anderer Politiker mit Sondierungsgesprächen beauftragt werden.
Aber der König ist kein Mann rascher Entschlüsse, es kann dauern.



 

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