Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Libby Prozessfinale, MoJ, 21.2.2007



In Washington DC steht der Prozess gegen den frueheren Kabinettschef von Vizepraesident Cheney, Lewis Libby, vor dem Abschluss. Die Beratungen der Geschworenen, die das Schicksal des hochrangige Regierungsfunktionaers entscheiden werden, sollen heute beginnen. Libby wird beschuldigt ueber seine Rolle bei der Enttarnung einer mit einem Bush-Kritiker verheirateten CIA-Agentin unter Eid gelogen zu haben.
Das erwartete politische Spektakel der Zeugenaussage eines amtierenden Vizepraesidenten ist ausgeblieben. Weder Dick Cheney, noch der Angeklagte Lewis Libby wurden in den vergangenen vier Wochen in den Zeugenstand gerufen. Doch statt des nach aussen gerne praesentierten Bildes eines Weissen Hauses, das wie ein Mann hinter dem obersten Chef George Bush steht, bekamen die Geschworenen in den letzten vier Wochen ein ungewoehnlich grosses Ausmass anIntrigen und interne Machtkaempfen praesentiert.
In der Sache geht es um ein Detail: hat sich Lewis Libby, den alle mit seinem Spitznamen Scooter nennen, bei seinen nachweislich falschen Aussagen vor Gericht einfach geirrt? Oder wollte er damit die aktive Rolle vertuschen, die Vizepraesident Dick Cheney bei der oeffentlichen Diskreditierung eines Bush-Kritikers spielte. Der Bush Kritiker war Ex-Botschafter Joe Wilson und es ging um die hochbrisante Frage des angeblichen irakischen Atomwaffenprogramms im Fruehjahr 2003. Wilson warf Bush, aber insbesonders auch Cheney vor die Oeffentlichkeit ueber Uranankaeufe Saddam Husseins in Afrika wissentlich falsch informiert zu haben, da er, Wilson, die Angaben laengst widerlegt habe. Journalisten aus dem ganzen Land wurde daraufhin aus dem Weissen Haus gesteckt, besagter Botschafter Wilson sei ein Aufschneider, der nur durch die Protektion seiner beim CIA arbeitenden Frau mit dem irakischen Nuklearprogramm befasst worden sei. Aber wissentlich einen Geheimagenten zu enttarnen, das ist strafbar in den USA.
Sonderstaatsanwalt Fitzgerald konnte nach jahrelangen Untersuchungen zwar viele Details einer gezielten Medienkampagne des Weissen Hauses gegen den unangenehmen Bush-Kritiker Joe Wilson ausmachen. Aber der Beweis fuer die vorsetzlich Enttarnung von Valery Plame, der geheimnisvollen Agentin und Ehefrau Wilsons, ist ihm nicht gelungen. Der juridisch leichtere Weg war es einen der wichtigsten Akteure, eben Cheney-Mitarbeiter Scooter Libby wegen Meineids und Behinderung der Justiz anzuklagen. Immerhin droht im Fall eines Schuldspruches ein Strafausmass von theoretisch bis zu 30 Jahren Gefaengnis und mehr als 1 Million Dollar.
Die Hoffnung des Staatsanwaltes, ueber die Meineidklage anderen Gesetzesverletzungen am Hof George Bushs und Dick Cheneys auf die Spur gekommen, ist bisher allerdings nicht aufgegangen. Die Verteidigung zeichnete den Angeklagten als unter Dauerstress stehenden Buerochef, der Jahre spaeter einfach nicht mehr wissen kann, an welchem Tag er mit welchem Journalisten ueber CIA-Agentin Valery Plame und Ex-Botschafter Joe Wilson gesprochen hat. Andererseits erscheint Dick Cheney nach den Aussagen von Mitarbeitern und Journalisten, als ziemlich rachsuechtiger Mann, der sich bis ins letzte Detail persoenlich darum kuemmerte, dass sein Kritiker Wilson in der Oeffentlichkeit unmoeglich gemacht wird. Die Washington Post registriert dieser Tage einen deutlichen Rueckgang seines Einflusses in den letzten Jahren. Ein Schuldspruch gegen seinen ehemaligen Kabinettschef waere ein zusaetzlicher Schlag fuer den wichtigsten verbliebenen Hardliner in der Regierung Bush.


 

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