Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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"Moralische Werte" und US-Wahlen, MoJ, 9.11.2004

"Moralische Werte" hatten ein Viertel der Waehler bei Meinungsumfragen als den wichtigsten Themenkomplex der vergangenen Praesidentschaftswahlen angegeben. Die Riesenueberrschung fuer Meinungsforscher und Politiker, die bislang Terrorismus und Wirtschafts als die alleine wahlentscheidenden Fragen angesehen hatten, beschaeftigt seither die politische interessierte Oeffentlichkeit. Und jetzt verlangen die bei den siegreichen Republikanern einflussreichen evangelikalen Gruppen auch politische Mitsprache in der zweiten Amtszeit George Bush.
Einer der wenigen Liberalen unter den republikanischen Senatoren, Arlan Spector aus Pennsylvania, musste das hautnah erleben, als er laut spekulierte, ein bekennender Abtreibungsgegner werden selbst unter den neuen politischen Verhaeltnissen nur wenig Chancen haben Hoechstrichter zu werden. So wuetend war der Aufschrei der christlichen Rechten, dass Spektor jetzt um seinen Job als Vorsitzender des Justizausschusses im Senat zittern muss.
In dieser konservativen Baptistengemeinde in Alexandria, im US-Bundesstaat Virginia, freuen sich die meisten Glaeubigen ueber den Wahlsieg des Praesidenten. Er hat auf Gerund seiner Prinzipien gesiegt ,sagt sie.
Er ist gegen Abtreibung und gegen Stammzellenforschung, sagt eine junge Glauebige, er steht auf der Grundlatge der Bibel und er hoert auf das Wort Gottes.
Pastor David Rhodinhizer warnt die Glauebigen vor Satan und der Armee satanischer Daemonen.
George Bush wird sich wie bisher von seinem Glauben leiten lassen, zeigt sich der Pastor ueberzeugt, dann werde Gott auch weiter ueber ihm wachen.
Abtreibung und die Homosexuellenehe sind die meisten hier die groessten Uebel unserer Zeit an und hier erwarten sie sich auch ein rasches Handeln des Praesidenten.
Aber ob wirklich so viele Amerikaner solche Vorstellungen teilen, ist heftig umstritten. Meinungsforscher weisen darauf hin, dass ungeachtet der aggressiven Kampagne evangelikaler Gruppen eine klare Mehrheit der Amerikaner seit Jahren des Recht auf Abtreibung befuerwortet. Demokratische Experten weisen darauf hin, dass am Wahltag niemand nachgefragt hat, was denn genau unter den ominoesen "moralischen Werten" zu verstehen sei: der Begriff sei so allgemein, dass jeder auf seine Anstaendigkeit bedachte Durchschnittsbuerger sich dafuer aussprechen kann. Durch nichts sei belegt, dass damit ausgerechnet der Wunsch nach mehr zur Schau getragener Religiositaet in der Politik gemeint sei.
Unbestreitbar ist jedoch, dass die Waehlermobilisierung der christlichen Rechten einen wichtigen Anteil am Wahlsieg des Praesidenten hatte. Dementsprechend selbstbewusst werden diese Gruppen jetzt ihre Anliegen vorbringen.



 

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