Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irak-Machtuebergabe - US-Reaktionen, Morgenjournal, 29.6.2004

Der politische Prozess , das gestern zur vorverlegten Machtuebergabe an die neue Regierung in Bagdad gefuehrt hat, ist in einer Krisensitzung im Weissen Haus im vergangenen Herbst ausgearbeitet worden. Lange Zeit war der Plan von Kritikern als unrealistisch verworfen hat. Dass es jetzt trotz aller Schwierigkeiten doch zu einem Neuanfang in Bagdad gefuehrt, wird von den Vertretern der Regierung in Washington als klarer Erfolg fuer George Bush gewertet.
Aber die inzwischen in Sachen Irak ziemlich pessimistisch gewordene amerikanische Oeffentlichkeit reagiert skeptisch. Eine aktuelle Umfrage besagt , dass eine Mehrheit den Machttransfers nicht als Zeichen des Erfolges sondern eher des Misserfolges interpretiert.
Die USA werden auf jeden Fall einen dominierenden Einfluss haben im Irak. Paul Bremer, der bisherige Zivilverwalter, hat noch vor seiner Heimkehr eine ganze Reihe von Dekreten erlassen, die politische Rahmenbedingungen auf Jahre festlegen. So sind in allen irakischen Ministerien amerikanische Vertrauenspersonen als Generalinspektoren installiert. Sie werden bleiben, auch wenn die Minister wechseln. Ein von Bremer erlassenes Wahlgesetz verbietet die Kandidatur von Milizenvertretern bei den naechsten Wahlen. Das das gibt der ebenfalls noch von den Amerikanern eingesetzten Wahlkommission grossen Interpretationsspielraum bei der Zulassung von Parteien und Kandidaten. Ob der rebellische Schiitenprediger Muktata al Sadr nach diesem Gesetz kandidieren kann ist zum Beispiel fraglich. Eine Frauenquote von einem Drittel bei gewaehlten Organen, das Verbot der Kinderarbeit und etwas ueberraschend auch das Verbot der Todesstrafe: all das wird in den letzten Dekreten des amerikanischen Besatzungsregimes auch fuer die Zukunft festgelegt und kann laut Uebergangsverfassung nur sehr schwer ausser Kraft gesetzt werden.
Ob der Plan aufgeht und die neue Regierung die zu erwartenden Angriffe der Rebellen abwehren kann, wird wohl nicht nur die Zukunft des Irak sondern in hohem Ausmass auch den Ausgang der amerikanischen Praesidentschaftswahlen bestimmen.
Unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der europaeisch-amerikanischen Verhandlungen zum Thema Irak ist John Kerry, der demokratische Herausforderer. Er fordert Bush auf der NATO echte Unterstuetzung fuer die im Irak kaempfenden Amerikaner abzuringen, und zwar Truppen, Geld, Personal statt leerer Worte und schoen klingender Resolutionen.

Die Vorstellungen des Demokraten fuer die aktuelle Irakpolitik unterscheiden sich nur sehr beschraenkt von jenen der Regierung, Kerry wirft Bush jedoch fehlenden Glaubwuerdigkeit vor die erhoffte Internationalisierung auch wirklich umzusetzen. Seit Tagen draengen die aussenpolitischen Sprecher der Demokraten die Europaer, mit einem Engagement im Irak doch endlich ernst zu machen.


 

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