Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Managergehälter umstritten, MiJ, 17.5.2008

Top-Manager, die mit zweistelligen Millionenbeträgen abgefunden werden, das wird in Europa immer häufiger beanstandet. Schließlich verlangen die Regierungen von den Durchschnittsverdienern zur gleichen Zeit Zurückhaltung bei den Löhnen, damit die Inflation gestoppt wird. Aber die staatlichen Möglichkeiten auf die Verträge von Direktoren und Vorstandsmitgliedern Einfluss zu nehmen sind beschränkt. Manche Ökonomen sprechen von reinem Neidreflex, ohne tatsächliche Auswirkungen auf die Wirtschaftliche Entwicklung. Die Debatte geht in ganz Europa quer durch alle Lager.
Die Meinungen gehen weit auseinander: weil die Finanzminister der Europäischen Union explodierende Supergagen der Manager kritisieren, spricht ein christdemokratischer deutsche Abgeordneter von einem plumpen Ablenkungsmanöver. Schließlich liegen Steuern in der Europäischen Union in der Kompetenz der Nationalstaaten, gegen hohe Managergehälter kann die EU aus heutiger Sicht gar nichts unternehmen. Die Financial Times, eines der führenden Wirtschaftsblätter Europas, bläst ins gleiche Horn und wirft den Euro-Finanzministern Publikumstäuschung vor. Managergehälter seien private Arbeitsverträge zwischen den Unternehmen und ihren Topangestellten. Der Staat habe sich da herauszuhalten.
Ausgelöst wurde die Diskussion vom keinem Linksaußen, sondern vom luxemburgischen Christdemokraten Jean Claude Juncker, der in seiner Funktion als Chef der Gruppe der Euro-Finanzminister hohe Managergehälter als soziales Übel angeprangert hatte. Während sich die Lohnerhöhungen für die Bürger in Grenzen halten, damit die Inflation nicht weiter anwächst, seien Spitzengagen und vor allem Abfertigungen in Millionenhöhe nicht zu vertreten.
Damit hat eine Diskussion die Europäische Union erfasst, die in den Mitgliedsstaaten schon seit längerem läuft. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat schon vor Monaten die Praxis des Golden Handshake für erfolglose Manager angeprangert. Abfertigungen, die eine Million Euro übersteigen, werden jetzt stärker besteuert. Die Kritik des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler an den wuchernden Finanzmärkten als Monster vergangene Woche führte zu mancher Verwunderung. Schließlich war Köhler Jahrelang Chef des Internationalen Währungsfonds in Washington und in diese Funktion wesentlich am ungehinderten Boom von Hedge Fonds und anderen undurchsichtigen Finanzkonstruktionen beteiligt.
Am weitesten sind die Niederlande. Als die holländische Babynahrungsfirma Numico im vergangenen Jahr vom Weltkonzern Danone aufgekauft wurde, konnte sich Numico Chef Jan Bennink über 80 Millionen Euro Abschlagszahlung freuen. Wenig später erhielt ein Bankmanager durch einen ähnlichen Deal 22 Millionen Euro. Riesenbeträge, die mit der protestantischen Arbeitsethik der Niederlande nur schwer vereinbar waren. Jetzt hat der sozialdemokratische Finanzminister Wouter Bos ein Gesetz eingebracht, das Abfertigungen bei Jahresgehältern von über 500 000 Euro massiv besteuert.
Die EU-Finanzministern sagen, dass es ihnen zum jetzigen Zeitpunkt vor allem um Transparenz geht. Zumindest die Aktionäre sollen informiert sein, welche Beträge ihre führenden Angestellten ihrer Firmen einstreifen. Auch Stock Options, also die Garantie, das Manager besonders günstige Aktienpakete beziehen können, werden problematisiert.
An der wachsenden Kluft zwischen einigen wenigen Superreichen und den vielen Durchschnittsverdienern werden diese Debatten wohl nicht unmittelbar etwas ändern. Aber man entdeckt auch den sozialen Zusammenhalt als ein Ziel, das sich die Europäische Union zu setzen hat.

 

 

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