Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Merkel bei Bush - Vorschau, MoJ, 13.11.2006

MODERATIONSVORSCHLAG:
Gestern Nacht ist Angela Merkel zu ihrem Antrittsbesuch bei George Bush in Washington eingetroffen. Nach den harten Bandagen mit ihrem Vorgaenger Gerhard Schroeder um den Irakkrieg erwartet sich die amerikanische Regierung von der neuen Regierungschefin eine Verbesserung des transatlantischen Verhaeltnisses, die Merkel ja auch im Wahlkampf versprochen hat. Sie wird betont freundlich empfangen in der amerikanischen Hauptstadt.
BEITRAG RL
George Bush wird sich mehr als drei Stunden Zeit nehmen fuer Angela Merkel. Die Kanzlerin wohnt im Blair House, dem Quartier fuer Ehrengaeste der Regierung, direkt vis a vis vom Weissen Haus. Und der Praesident tritt heute gemeinsam mit der deutschen Regierungschefin vor die Presse, immer ein Zeichen besonderer Wertschaetzung. Die Regierung Bush, die sich mit Gerhard Schroeder so schwer getan hat, hofft seit dem Regierungswechsel ganz offen auf ein neues Vertrauensverhaeltnis zum einstigen transatlantischen Musterknaben Deutschland.
Daran sind im Augenblick die USA fast noch mehr interessiert, als die Europaer. Denn der Praesidenten ist angesichts des irakischen Schlamassels deutlich bemueht neue Alleingaenge zu vermeiden. Richtiggehend auffaellig ist es, wie Washington dieser Tage den Europaern den Vortritt laesst in der Auseinandersetzung mit dem Iran, der von Bush schliesslich schon vor vier Jahren gemeinsam mit dem Irak und Nordkorea zur Achse des Boesen gezaehlt wurde. Heute wollen die USA jeden kleinsten Schritt mit den Partnern abstimmen, Seite an Seite mit Angela Merkel wird George Bush wohl heute das erste Mal zur akuten Krise Stellung beziehen.
So sehr bemueht man sich um das Goodwill der Kanzlerin in Washington, dass die Regierung Merkels ungewoehnlich deutliche Kritik am Gefangenenlager Guantanamo nahezu unkommentiert zur Kenntnis nahm, die liberale Presse in Amerika war dagegen hocherfreut. Man muss sich nur vorstellen, wie das Weisse Haus getobt haette, wenn Schroeder so etwas gesagt haette, wundert sich die Financial Times.
Die Debatte um Guantanamo zeigt aber auch, wie sehr sich Europa und Amerika auseinanderentwickelt haben, ungeachtet aller Freundlichkeiten, die im Vorfeld des Besuches ausgetauscht wurden. Die USA wissen, dass sie sich von Merkel nicht zuviel erwarten duerfen, ungeachtet aller proatlantischen Aeusserungen der CDU-Politikerin im Wahlkampf. Die Hoffnung auf ein staerkeres europaeisches Engagement im Irak hat man sowieso laengst aufgegeben. Genauso wie vor ihr Schroeder will sich auch Angela Merkel auf die fern von Bagdad ablaufende Ausbildung irakischer Polizisten und Richter beschraenken.
Fuer die USA stehen jetzt die Turbulenzen der naechsten Jahre im Vordergrund, mit dem Streit um das iranische Atomprogramm oder den Fuehrungskrisen bei Israelis und Palaestinensern ab. In einer derart riskanten Phase will sich die Regierung Bush auf breite Allianzen stuetzen koennen, die auch durch ein Netz persoenlicher Beziehungen abgesichert sind. Angela Merkel wird dabei aus amerikanischer Sicht eine Schluesselstellung einnehmen.

 

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