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Mladic in Den Haag, MoJ, 3.6.2011
Heute wird Ratko Mladic, der lange gesuchte serbische General des Bosnienkrieges,
in Den Haag erstmals seinen richtern vorgeführt. Mladic ist nach
seiner Verhaftung vergangene Woche vor drei Tagen an das Kriegsverbrechertribunal
ausgeliefert worden.
Um Punkt zehn Uhr wird der einst mächtigste militärische Führer
des bosnischen Bürgerkrieges erstmals vor seinen Richtern stehen.
Die Anklageschrift wurde verkürzt, damit der Prozess zügig geführt
werden kann, sie ist Mladic bereits zugestellt worden. Völkermord
an 8000 Buben und Männern in Srebrenica, Verletzung des Kriegsrechts
durch den jahrelangen Beschuss von Sarajewo, Verbrechen gegen die Menschlichkeit
durch massenhafte Vertreibungen von bosnischen Moslems und Kroaten lauten
die Vorwürfe. Vor den Toren des Internationalen Kriegsverbrechertribunals
wollen sowohl Familienangehörige der Überlebenden als auch Anhänger
des 16 Jahre flüchtigen Generals demonstrieren. Ratko Mladic wird
einen fairen Prozess haben, versichert Chefankläger Serge Brammertz,
ein serbischer Anwalt wird ihm schon am ersten Tag zur Seite stehen. Mladic
muss sich schuldig oder unschuldig erklären, für diese Entscheidung
hat er jedoch 30 Tage Zeit. Unwahrscheinlich ist, dass der Prozess gegen
Mladic mit dem Verfahren gegen Roadovan Karadzic zusammengelegt wird,
dem ehemaligen politischen Führer der bosnischen Serbien, dem ähnliche
Verbrechen angelastet werden. Der Karadzic-Prozess dauert schon mehrere
Jahre. Insgesamt 160 Verfahren wurden vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal
geführt, gegen Serben, Kroaten, Bosniaken und Albaner. Mladic hat
sich nach seiner Einlieferung sehr kooperativ gezeigt, heisst es in Den
Haag. Für ärztliche Betreuung ist gesorgt. Der Prozess gegen
Ratko Mladic wird der wichtigste und auch einer der letzten in Den Haag
sein. Die Vereinten Nationen wollen, dass die Arbeiten des Tribunals bis
Ende 2014 abgeschlossen sind.
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