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Internet-Musiktauschboersen
vor US-Hoechsgericht, MoJ, 29.3.2005
Wer gewohnt ist Musik vor
allem im Konzertsaal zu hoeren oder vielleicht auf einer CD zu Hause,
der wird die Emotionen des gestrigen Showdown vor dem Hoechstgericht in
Washington nur schwer verstehen. Aber schon wenn man Toechtern oder Soehnen
einen I-Pod schenkt, kommt man der Welt der digitalen Musikboersen um
einiges naeher. Denn seine Songs speichert der zigarettenschachtelgrosse
Kultgegenstand, zu dem die weissen Knoepfe in den Ohren der Teenager fuehren,
wie ein Computer digital.
Es sind Millionen Konsumenten, die sich ihre Musik seit Jahren nicht im
Musikgeschaeft besorgen, sondern ueber das Internet. Fast immer kostenlos.
Auf der Strecke bleibt das Urheberrecht, sowohl die grossen Firmen der
Unterhaltungsbranche als auch die Musiker schauen durch die Finger.
Schon vor fuenf Jahren haben die amerikanischen Gerichte aus diesem Grund
die Gratis-Tauschboerse Napster geschlossen. Doch neue Firmen fuellten
die Luecke, Grokster, StreamCast und Morpheus sind die bekanntesten Namen.
Sie selbst speichern kein einziges Musikstueck, stellen jedoch die Software
zu Verfuegung, mit der musikbegeisterte Computerfreak untereinander ueber
das Internet in Verbindung treten koennen.
Das Hollywoodstudio MGM spricht von Milliardenverlusten und organisiertem
Diebstahl.
Wer wie die Firmen Grokster und Streamcast Profite mit dem Missbrauch
des Urheberrechts macht, soll dafuer zur Verantwortung gezogen werden
koennen, sagt MGM-Anwalt Donald Verrilli.
Die Gewaltigen der Branche beunruhigt, dass auch immer mehr Filme Online
sind, sie verlangen ein Verbot aller Gratis-Tauschboersen. Den technischen
Fortschritt kann man nicht per Gerichtsurteil blockieren, argumentieren
die Anhaenger der Tauschboersen, jede Begrenzung der Freiheit des Internets
sei ein Rueckschritt.
Das ist eine Branche, die jede neue Technologie bekaempft hat , angefangen
vom automatischen Klavier, verteidigt sich der Sprecher der Tauschboersen
Fred von Lohmann.
Mit ganz aehnlichen Argumenten habe Hollywood vor 20 Jahren den Tod des
Films durch die damals neue Technologie des Videorekorders prophezeit
und sei damit gluecklicherweise vor Gericht gescheitert. Heute uebertreffen
die Video oder DVD-Einnahmen die Einspielungen in den Kinosaealen um ein
vielfaches.
Die zumeist hochbetagten amerikanischen Hoechstrichter, die man sich selbst
nicht so recht beim Musiktausch via Internet vorstellen kann, werden ihr
Urteil noch vor dem Sommer faellen.
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