Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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NATO auf Strategiesuche, MoJ, 14.10.2010


In Brüssel wollen heute Verteidigungsminister und Außenminister der NATO eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft der atlantischen Allianz vornehmen. Das westliche Bündnis sucht die Zusammenarbeit mit Russland und will sich erstmals in seiner Geschichte mit dem Abbau von Atomwaffen beschäftigen. Spät aber doch will die NATO sich 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus eine neue Strategie geben. Vorbei sind die Zeiten, als man auf Russland durch die Brillen des Kalten Krieges blickte und die NATO eine Art Weltpolizei für internationale Krisenherde werden sollte. Mit dem Afghanistaneinsatz ist das Bündnis schon jetzt an den Grenzen seiner militärischen Fähigkeiten. Für teure Rüstungsausgaben fehlt das Geld. Und die Führungsmacht Amerika hat mit Barack Obama einen Präsidenten, der die Abrüstung zu seinem erklärten Ziel gemacht hat. Auch die NATO will sich daher in Zukunft mit der Reduktion von Atomwaffen beschäftigen, erstmals soll dazu eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet werden. Nur Frankreich, das seine eigene nukleare Streitkraft nicht angetastet sehen will, steht auf der Bremse. Deutschland kann auf jeden Fall hoffen, dass die etwa zwei Dutzend taktischen Atomwaffen aus den USA, die es auf deutschem Boden noch immer gibt, in nicht allzu ferner Zukunft abgezogen werden. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betont die traditionelle Funktion der NATO als Bündnis zur territorialen Verteidigung. CUT 1 Gleichzeitig müssen wir uns modernisieren. Raketenabwehr und Cyberdefense, die Verteidigung gegen Attacken aus dem Internet sind NATO-Generalsekretär Rasmussen ein besonderes ANliegenAktionen in fremden Erdteilen treten damit in den Hintergrund. Diese Rückbesinnung freut die neuen NATO-Mitglieder in Osteuropa, die im formellen Bündnis mit Amerika immer schon einen Schutz gegen den ungeliebten Nachbarn Russland sahen. Im Gegenzug haben Polen und Balten ihre Einwände gegen eine Annäherung der NATO an Moskau weitgehend aufgegeben. Die Zeiten der heftigen Spannungen mit Moskau unter George Bush rund um die Georgienkrise sind vorbei. Vor allem bei einem zukünftigen Raketenabwehrsystem will der NATO-Generalsekretär mit Russland zusammenarbeiten. Wir müssen uns einfach aktiver um Partner rund um den Globus bemühen, so NATO-Chef Rasmussen. Der frühere amerikanischen Präsident George Bush wollte im Alleingang Abfangraketen in Polen und Tschechien stationieren. Jetzt ist ein gemeinsames Raketenabwehrsystem das Ziel, in Partnerschaft mit Russland. Es ist das einzige neue militärische Projekt des Bündnisses. Ausdrücklich betont man in der neuen Strategie, wie wichtig das Völkerrecht und die Vereinten Nationen für das westliche Bündnis sind. Der Kosovokrieg vor 10 Jahren, der ja ohne grünes Licht der Weltorganisation geführt wurde, soll eine Ausnahme bleiben. Eine beruhigende Perspektive für Jene, die wie Österreich über die Partnerschaft für den Frieden gemeinsam mit der NATO tätig sind. Verteidigungsminister und Außenminister werden heute die letzten Weichen stellen, bis das Strategiedokument bei einem feierlichen Gipfel mit Barack Obama Ende November in Lissabon endgültig verabschiedet wird.

 

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