Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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NATO-Generalsekretär und Türkei, MoJ, 27.8.2009

Die neue NATO-Generalsekretär unternimmt zur Zeit einen Anlauf um die beiden verfeindeten NATO-Partner Griechenland und Türkei einander näher zu bringen. Zu diesem Zweck reist Anders Fogh Rasmussen nach Athen und Ankara. Der Besuch ist auch deshalb heikel, weil sich die Türkei lange gegen die Bestellung des ehemaligen dänischen Ministerpräsidenten gewehrt hat. Rasmussen ist in der islamischen Welt seit dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen höchst unbeliebt.
Es ist das erste Mal seit langem, dass ein NATO-Generalsekretär ausrücken muss, nicht um mit anderen Mächten zu verhandeln, sondern um einen Streit zwischen zwei NATO-Mitgliedsstaaten zu schlichten. Aber der anhaltende Disput zwischen Griechenland und der Türkei wird zur ernsthaften Belastung für das Bündnis. Auch die Einsätze in Afghanistan und vor der Küste von Somalia sind betroffen.
In beiden Krisenherden verhindert die Türkei eine engere Zusammenarbeit zwischen NATO und Europäischer Union. Das ist die Revanche weil Griechenland umgekehrt den türkischen Nachbarn die Mitarbeit in der Europäischen Verteidigungsagentur verwehrt, über die gemeinsame Rüstungsprojekte laufen.
Potentiell dramatisch sind die Auswirkungen in Afghanistan, wo die NATO in einem blutigen Krieg gegen die Aufstandsbewegung der Taliban verwickelt ist. Die EU soll helfen die afghanische Polizei aufzubauen, eine höchst gefährliche Aufgabe. Die NATO müsste im Ernsffall den EU-Ausbildnern den nötigen Schutz gewähren. Dazu gibt es aber keine formelle Vereinbarung, weil die Türkei und Griechenland sich gegenseitig blockieren.
Ähnlich ist die Situation am Horn von Afrika, wo sowohl die NATO als auch die EU mit Kriegsschiffen gegen Piraten vorgehen. Eine Übereinkunft, wer was tut und wie man sich gegenseitig unterstützen kann, scheitert ebenfalls am türkisch-griechischen Dauerstreit.
Sowohl in der NATO als auch in der EU müssen bei sensiblen Fragen der nationalen Sicherheit alle Mitgliedsstaaten ihre Zustimmung geben. Dieses Einstimmigkeitsprinzip gibt bei bilateralen Disputen einzelnen Mitgliedsstaaten große Blockademöglichkeiten.
Wie groß die Vermittlungschancen des NATO-Generalsekretärs sind ist unklar. Die Türkei hatte beim letzten NATO-Gipfel nach langem Zögern dann doch für den dänischen Politiker gestimmt, der für viele in der islamischen Welt wegen des Mohammed-Karikaturenstreits ein rotes Tuch ist. Die griechische Regierung sieht in der Zypernfrage das größte Hindernis für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Nachbarn. Aber auch Grenzstreitigkeiten um Ölfunde in der Ägäis flammen immer wieder auf.
Rasmussen geht auf jeden Fall zu Anfang ein Problem an, an dem frühere NATO-Generalsekretäre gescheitert sind.

 

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