Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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NATO-Gipfel in Lissabon, ZiB 1, 19.11.2010

Trotz des Sparzwanges will die NATO einen Raketenschutzschirm aufbauen. Vor wenigen Jahren haben ähnliche Pläne der USA zu heftigen Protesten Russlands geführt, die Europäer waren skeptisch. Warum jetzt diese Einmütigkeit für ein NATO-Raketenabwehrsystem?
Bei diesem neuen Raketenschutzschirm geht es nicht um einen Krieg der Sterne, wie sich das einst Ronald Reagan vorgestellt hat. Vor allem die USA verfügen ja jetzt schon über derartiges militärisches Gerät. Bekannt sind die Patriot-Raketen, die Israel zur Verfügung gestellt wurden. Diese Anti-Raketenabwehrgeschosse sollen miteinander verbunden werden, um daraus einmal ein System zu machen, das die 28 NATO-Staaten verbindet. Russland sieht das nicht als Bedrohung an. Daher wird morgen der russische Präsident Medwedew als Freund beim NATO-Gipfel hier in Lissabon empfangen werden. Auch das ein neuer Akzent 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges.
Die NATO will sich bei ihrem Gipfel in Lissabon eine neue Strategie geben, während die NATO-Truppen in Afghanistan auf immer größere Schwierigkeiten stoßen. Wir die Strategiedebatte nicht weitgehend vom Debakel in Afghanistan überschattet?
Afghanistan ist ein großes Thema auf diesem Gipfel. Morgen kommt auch auch der afghanische Präsident Karzai und da will man eine Art Afghanisierung des Krieges festschreiben, mit der schrittweisen Übergabe von militärischen Aufgaben an die Afghanen und einer Rückzugsperspektive für die westlichen Truppen. Ob sich dieser Plan wirklich umsetzen lässt, das traut sich allerdings niemand zu sagen. Diese neue Strategie soll die Frage beantworten, wozu braucht man so ein Bündnis überhaupt noch zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Krieges. Die Antwort lautet: es gibt zwar keinen Außenfeind mehr, wie die Sowjetunion das einmal war. Aber die NATO soll auch in Zukunft Europa und Amerika verbinden, weil es neuen Bedrohungen gibt, die vom Terrorismus bis zu Internetangriffen reichen, bei denen Europäer und Amerikaner aufeinander angewiesen sind. Aber so wichtig wie früher ist die NATO sicher nicht mehr.

 

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