Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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NATO-Gipfel mit Obama, ZiB 24, 4.4.2009


Wie dauerhaft ist dieser Kuschelkurs, der auf diesem NATO-Gipfel zwischen den Europäern und Barack Obama demonstriert wird?
Die Europäer haben nicht mehr das Gefühl, dass die Amerikaner verschiedene Staatengruppen gegeneinander ausspielen wollen. Man nimmt ernst, wenn Obama sagt, dass er ein starkes Europa will. Das ist ein wichtiger Punkt. Obama will die Abrüstung forcieren. Ebenfalls ein Thema, dass den Europäern stark am Herzen liegt. Da sind vielleicht utiopische Visionen dabei. Aber es sind Töne, die aus den USA schon lange nicht zu hören waren. Die Meinungsverschiedenheiten gibt es. Soll die NATO sich mehr oder weniger in Richtung Weltpolizist entwickeln? Ist Russland mehr Partner oder mehr Bedrohung? Das sind alles offene Fragen, die aber jetzt sachlicher diskutiert werden können als früher.
Wie verlief heute Abend die Suche nach einem neuen NATO-Chef?
Es hat heute Nacht keine Einigung gegeben. Das deutet auf einen ziemlichen Disput mit der Türkei hin. Die deutsche Kanzlerin hat sich erst heute Nachmittag für den Favoriten stark gemacht, den dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen. Aber den türkischen Präsidenten konnte sie nicht überzeugen. Der wirft Rasmussen vor, dass ein kurdischer Fernsehsender aus Dänemark ausstrahlt, den die Türkei als terroristisch einstuft. Und man wirft ihm sein Verhalten rund um den Streit um die dänischen Mohammed Karikaturen vor. Die Diskussion wird morgen weitergehen.
Was ist für morgen zu erwarten?
Morgen ist der eigentliche wichtige Gipfeltag in Strassburg. Auch der Tag, für den die größten Anti-NATO-Demonstrationen angekündigt sind. In der Früh gibt es eine Zeremonie auf der Fußgängerbrücke über den Rhein. Nicolas Sarkozy wird von der französischen Seite kommen. Ein Symbol für die Rückkehr Frankreichs in die militärischen Kommandostrukturen der NATO. De Gaule ist ja vor 40 Jahren eigene Wege gegangen. Sarkozy macht Frankreich wieder zu einem vollwärtigen NATO-Mitglied.
Dann kommt die heiße Diskussion um die Afghanistanstrategie. Barack Obama wird seine neue Ideen vorstellen, die aus einer Kombination verstärkter militärischer Präsenz bei gleichzeitiger Aufwertung des zivilen Wiederaufbaus besteht.

 

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