Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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NATO-Tagung über Afghanistan, AJ, 23.10.2007

Im niederländischen Badeort Noordwijk sind die Verteidigungsminister der NATO zu zweitätigen Beratungen zusammengekommen. Es geht vor allem um den immer schwieriger werden Einsatz in Afghanistan, überschattet wird die Tagung aber auch von den Zwischenfällen an der türkisch-irakischen Grenze nach Angriffen kurdischer Rebellen gegen türkische Soldaten.
Die Gefahr einer riskanten Eskalation im blutigen Wechselspiel zwischen der kurdischen PKK-Guerilla und der türkischen Armee steht offizielle nicht auf der Tagesordnung. Aber ein Krieg um das irakische Kurdengebiet, das den Kommandos der PKK als Hinterland für ihre Angriffe auf türkischem Gebiet dient, hätte weitreichende Folgen, nicht nur für den gepeinigten Irak. Sowohl die USA als auch die Europäer rufen daher das NATO-Mitglied Türkei zur Zurückhaltung auf, trotz des Verständnisses für die aufgeheizte Stimmung nach den kurdischen Angriffen in den letzten Tagen.
Vor allem der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates möchte bei der heutigen Tagung ein Abbröckeln der europäisch-amerikanischen Front in Afghanistan einen Riegel vorschieben. 40 000 NATO-Soldaten sind im Einsatz, um das umkämpfte prowestliche Regime von Präsident Hamid Karsai gegen den Ansturm der wieder auferstandenen Taliban zu verteidigen. In den Niederlanden und in Kanada gibt es wachsenden innenpolitischen Druck in Richtung eines baldigen Abzuges. Robert Gates plädiert ganz im Gegenteil für eine deutliche Verstärkung der bestehenden Kontingente. Immerhin wollen die Tschechische Republik und die Slowakei 160 zusätzliche Soldaten schicken. Deutschland verdreifacht die Zahl seiner Ausbildner.
Erstmals Bewegung ist in den letzten Tagen in den Streit um die geplanten amerikanischen Raketenabwehrstellungen in Osteuropa gekommen: Robert Gates bot an, auch russische Offiziere könnten dort willkommen sein. Die USA würden das Abwehrsystem erst aktivieren, wenn es konkrete Beweise für eine Bedrohung durch iranische Raketen geben.
Die Zeichen scheinen im Augenblick auf Entspannung zu stehen im Verhältnis zu Russland. Weil der NATO die Transportmittel knapp werden überlegt man sogar ehemalige sowjetische Hubschrauber aus Russland und der Ukraine anzumieten.

 

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