Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Der eingeschlossene Arafat, ORF-On, 7.12.2001

Eine knappe Woche nach den verheerenden palästinensischen Anschlägen in Jerusalem und Haifa und der folgenden Kriegserklärung Ariel Sharons an Jassir Arafat haben sich die Fronten im Nahen Osten weniger verschoben, als man ursprünglich angenommen hat.
Der Palästinenserpräsident hat zwar zwei Helikopter verloren und kann sich aus seinem Amtssitz im alten Gebäude der britischen Mandatsverwaltung von Rammalah nicht fortbewegen, er ist aber nach wie vor unbestritten die wichtigste Ansprechperson auf palästinensischer Seite. Von Amerikas Sonderemissär General Antony Zinni über Ägyptens Aussenminister Maher bis zu den israelischen Sicherheitsexperten erwarten alle von der Autonomiebehörde Jassir Arafats die entscheidenden Schritte, um die Israel bedrohende Welle von Selbstmordattentaten zu stoppen. Es scheint leichter den politischen Bann des "Terrorismus-Förderers" über Arafat zu verhängen, wie die Regierung Sharon das getan hat, als ihn in der politischen Praxis des Nahen Ostens zu ignorieren oder auszuschalten. Auch wenn die innerpalästinensischen Gegensätze noch nie so groß waren, wie nach 15 Monaten der "Intifada" gegen die israelische Besatzung.
Ariel Sharon kann auf bedeutende diplomatische Erfolge blicken: sowohl die USA als auch die meisten Regierungen der EU haben seine Gegenschläge nach den Toten von Jerusalem und Haifa gutgeheißen. Ägyptens schickte sogar erstmals seit Jahren den Außenminister zum Handschlag mit Sharon nach Jerusalem, so groß war die Sorge vor einer Eskalation, die außer Kontrolle gerät. Keine kleine Genugtuung für den bislang im Westen als unverantwortlicher Hardliner verschrieenen Regierungschef. Aber Arafat zu vertreiben oder zu stürzen, wie das die israelische Rechte lautstark verlangt, das ließen die USA nicht zu. Zu groß schätzt man in Washington die Gefahr ein, dass dann Hamas und andere islamische Fundamentalisten an seine Stelle treten würden und Palästina zu einem Gefahrenherd für die gesamte Region werden könnte. So mag Ariel Sharon zwar weiter Helikopter und Kampfflugzeuge gegen palästinensische Polizeieinrichtungen schicken, eine Strategie, die sich von den sich abwechselnden Vorstößen und Rückzügen der letzten Monate unterscheidet, ist aber nicht erkennbar.
Collin Powell hat vor Wochen in einer richtungweisenden Rede neben Sicherheit für Israel auch die Bildung eines Staates Palästina zur Lösung des Nahostkonflikts gefordert. Dies würde jedoch ein Ende der israelischen Besatzung und einen historischen Kompromiß zwischen Israelis und Palästinensern erforderlich machen, zu dem sich die Konfliktparteien bisher nicht einigen konnten. Ein neuer großer Anlauf der USA, um einen solchen Kompromiß zu erzwingen, ist heute weniger in Sicht denn je. Dementsprechend wächst die Furcht vor einer weiteren schleichenden Destabilisierung. Denn kaum jemand in der Region will daran glauben, dass die Übertragung des amerikanischen "Kriegs gegen den Terrorismus" auf den Nahen Osten geeignet ist, die dringenden Sicherheitsbedürfnisse aller beteiligten Völker zu befriedigen.

 

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