Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Neue Irakdiskussion, MoJ, 16.11.2005

Fast wie in einer Zeitreise erscheint die innenpolitische Diskussion in Washington dieser Tage abzulaufen. Denn ploetzlich geht es wieder um die Massenvernichtungswaffen im Irak und die Frage, wer wen manipuliert hat beim Irakkrieg. Selbst wenige Augenblicke bevor er den amerikanischen Luftraum verliess in Richtung Asien, feuerte George Bush von Alaska aus das juengste rhetorische Geschoss ab.
Seit Tagen wiederholt das Weisse Haus diese Argumentationslinie: im Augenblick der Entscheidung fuer oder gegen den Krieg im Herbst 2002 seien allen die gleichen Geheimdienstinformationen vorgelegen, den Demokraten im Kongress, die mehrheitlich fuer den Krieg gestimmt haben, ebenso wie der Regierung. Dass die Angaben ueber Massenvernichtungswaffen sich als falsch herausgestellt haetten, sei auf ein bedauerliches Versagen der Geheimdienste zurueckzufuehren, mit Manipulation durch die Regierung habe das nichts zu tun.
Mange der schwaerfsten Bush-Kritiker unter den Demokraten, wie der ehemalige Praesidentschaftskandidat John Kerry oder Senatorin Hillary Clinton, haben tatsaechlich das Problem, dass sie in den Monaten vor der Irakinvasion ziemlich nicht weniger kriegerisch geklungen haben, wie die Regierung. Ihre damaligen aufgeregten Warnungen vor Saddam Husseins angeblichen Atomwaffenprogrammen, werden von den Republikanern genuesslich wieder und wieder zitiert. Aber wie wenig Substanz hinter all den Geheimdienstbehauptungen gestanden sei, das seien Informationen gewesen, ueber die die Regierung allein verfuegt haette, beteuern die Demokraten.
Politische Aktualitaet hat diese an sich kaum sehr neue Debatte durch den bevorstehenden Prozess gegen Dick Cheney Stabschef Lewis Libby bekommen, bei dem moeglicherweise auch der Vizepraesident selbst zu einer Aussagen ueber seine Geheimdienstinformationen gezwungen sein wird. Der Praesident selbst kaempft nicht nur mit den schlechtesten Umfragewerten seiner Amtszeit, eine deutliche Mehrheit der Amerikaner findet inzwischen auch, dass es keinen ausreichenden Grund fuer den Irakkrieg gegeben hat. Vor allem die persoenliche Glaubwuerdigkeit Bushs hat schwer gelitten und die Slogans der Antikriegsbewegung von den Luegen, mit denen der Praesident das Land in den Krieg gefuehrt habe, bleiben in immer mehr Koepfen amerikanischer Buerger haengen. Daher jetzt die Gegenoffensive der Republikaner, die versuchen den Spiess umzudrehen und den Demokratien vorwerfen, dass sie die Geschichte umschreiben.
Der Kongress, in dem diese Auseinandersetzung zu einem grossen Teil ablaeuft, hat bisher nur untersucht, ob es direkte Anweisungen der Regierung an die Geheimdienste gegeben hat, ihre Erkenntnisse umzuschreiben. Solche hat man wenig ueberraschend nicht gefunden. Die entscheidende Untersuchung, wie die Regierung mit den zum Teil sehr widerspruechlichen Geheimdienstangaben umgegangen ist, hat die republikanische Mehrheit bisher hinausgezoegert.

 

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