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Nuklearindustrie in der Defensive,
MiJ, 21.11.2007
Der Statusreport über
die Nuklearindustrie ist das erste Mal 1992
vom angesehenen Worldwatch Institute in Washington gemeinsam mit
Greenpeace erstellt worden. Heute wird im Europäischen Parlament
in Brüssel die letzte aktualisierte Version von den Europäischen
Grünen präsentiert. Und die aktuellen Zahlen widersprechen klar
der gängigen Annahme, dass die Atomenergie zur Zeit eine
Renaissance erlebt. Fünf Atomkraftwerke sind heute weltweit
weniger in Betrieb als vor fünf Jahren und auch die Zahl der
Bauprojekte sinkt dramatisch, rechnen die Autoren Mycle Schneider
und Antony Froggatt vor. In den meisten Ländern geht der Anteil
der Atomenergie an der Stromerzeugung zurück. Der Grund ist
ökonomisch, schreiben die Autoren, denn die Investitionen sind so
riesig und die Vorlaufzeiten so lange, dass Financiers mit
konventionellen Kraftwerken viel besser fahren. Der weltweite
Rückgang der Atomenergie ist zum schleichenden Ausstieg geworden,
argumentiert die europäische Grün-Politikerin Rebecca Harms.
Auch
der Bau neuer Atomkraftwerke wird diesen Rückgang nicht mehr
aufhalten können. Harms Rebecca (Grüne):
Es gibt eine viel zu große Lücke. Man hat viel zu lange nicht
mehr wirklich investiert in die Atomenergie. Das
Durchschnittsalter der bestehenden Kraftwerke ist jetzt weltweit
23 Jahre, in Europa liegen wir, glaube ich, sogar noch darüber.
Und, also gegen diesen altersbedingten Ausstiegsprozess werden in
den nächsten Jahren nicht ausreichend Investitionen stattfinden.
Ich bin darüber froh. Text Löw Raimund:
In den USA hat es den letzten Baubeginn, der dann nicht wieder
abgeblasen werden musste, vor 34 Jahren gegeben. In Europa gibt es
aktuelle Baupläne in Frankreich, in der Slowakei und in Bulgarien.
Das einzige Neubauprojekt, das bisher tatsächlich angegangen
wurde, liegt in Finnland. Und die Grüne EU-Abgeordnete Rebecca
Harms zieht eine total negative Bilanz des finnischen atomaren
Neuanfangs. OT Harms Rebecca (Grüne): Heute ist man zwei Jahre verspätet,
hat 1,5 Milliarden Verluste
angemeldet. Finnland wird nicht in der Lage sein seine
Kyoto-Verpflichtungen zu erfüllen, weil da hat man ganz stark
darauf gesetzt, dass im Jahre 2012 dieses Kraftwerk schon am Netz
ist. Text Löw Raimund (ORF):
Die Europäische Union hält sich aus der Atomdiskussion bewusst
heraus. Allerdings wird die Atomkraft als klimafreundliche
Energiequelle gezählt. Schließlich gibt es keinen mit
Kohlkraftwerken vergleichbaren CO2-Ausstoß. Trotzdem sind seit
2004 in der Europäischen Union zehn Reaktoren vom Netz gegangen.
Selbst an den Universitäten hat sich die Zahl der Programme zum
Ausbau von Nukleartechnikern weltweit halbiert. Die
Berufsperspektiven schrumpfen. Die Techniker in laufenden AKWs
werden immer älter. Die Atomindustrie müsse sich inzwischen
um die
Kompetenz ihres Personals sorgen, schreiben die Autoren.
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