Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Osteuropainitiative Österreichs umstritten, MiJ, 18.2.2009


Es ist eine merkwürdiger Widerspruch: jeder Tag bringt neue Hiobsbotschaften über die Gefahren, denen Europas Banken ausgesetzt sind. Ein drohender wirtschaftlicher Kollaps in Osteuropa zieht die Börsen nach unten und verschärft die Krise. Aber der österreichische Vorstoß zu einem Hilfspaket für Osteuropa stieß bisher aber eher auf Desinteresse.
Tschechien lehnt als EU-Vorsitzland weitere außerordentliche Hilfsmaßnahmen sogar ausdrücklich ab, bestätigte heute der für Europapolitik ständige Vizepremier Alexandr Vondra in Brüssel. Schon bisher wird für den Geschmack der in Finanzfragen betont konservativen tschechischen Regierung viel zu viel Geld ausgegeben gegen die Krise. Österreichische Banken, die sich stark engagiert haben in Osteuropa, seien nicht die einzigen mit Problemen.
Anders heute der zuständige Finanzkommissar Almunia. Joaquin Almunia sagte auf Anfrage des ORF, die Europäische Kommission teile die Sorge Österreichs und sei bereit mit allen Beteiligten zu diskutieren. Ein Telefonat mit dem österreichischen Finanzminister Pröll habe es schon gegeben, aber zuständig seien vor allem die nationalen Behörden.
Bisher hatte man den Eindruck, dass Österreich für seine Osteuropainitiative die Bündnispartner fehlen.
Auffällig ist, dass auch betroffenen EU-Staaten wie Rumänen oder Bulgarien auf Distanz bleiben. Aus den EU-Vertretungen Rumäniens und Bulgariens hieß es heute gegenüber dem ORF, man habe keine genauen Informationen, was sich die Österreicher eigentlich vorstellen.
Die einzigen Zahlen stammen von Wirtschaftsbundpräsident Leitl, der am Rande des letzten Finanzministerrates in Brüssel einen Hilfsbedarf in der Höhe von 150 Milliarden Euro skizziert. Das ist zwar vergleichbar mit den Bankenrettungspaketen mancher Mitgliedstaaten, für die EU selbst aber eine riesige Summe. Um viele bescheidenere 5 Milliarden Konjunkturhilfe aus dem EU-Budget streiten die Finanzminister seit Monaten, wegen des Widerstands Deutschlands, Österreichs und anderer Nettozahler.
Auch im Europäischen Parlament fehlen österreichischen Abgeordneten die Detailinformationen, um sich voll für die Initiative der Regierung zu engagieren. Es ist Vielen nicht klar, ob es um die Stützung der bedrängten osteuropäischen Währungen gehen soll, um Erleichterungen für bedrängte Kreditnehmer, die ihre in Schulden in Euro nicht mehr zahlen können, oder um allgemeine Konjunkturbelebungsmassnahmen.
Ohne aktives Engagement der betroffenen Regierungen wird es allerdings schwer sein mit einem Vorstoß durchzukommen.
Bei den EU-Partnern sind die Alarmrufe aus Wien bisher auf spezifische Probleme der österreichischen Banken zurückgeführt worden, für die zu allererst Österreich selbst eine Lösung finden müsste. Die österreichische Seite verweist dagegen auf das explosive Gemisch kritischer Nachrichten aus dem östlichen Wirtschaftsraum und den sich daraus ergebenden Gefahren für ganz Europa. Beim außerordentlichen EU-Gipfel zur Wirtschaftskrise in zehn Tagen in Brüssel wird Bundeskanzler Faymann Gelegenheit haben die Lage mit den Amtskollegen zu besprechen.


 

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