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Paul Bremers Erinnerungen,
MiJ, 11.1.2006
Dreizehn Monate lang war Paul Bremer der absolute Herrscher ueber den
Irak. Als amerikanischer Zivilverwalter erliess er nach dem Sturz Saddam
Husseins Gesetze und entschied ueber die Verteilung von vielen Milliarden
Dollar, die fuer den Wiederaufbau bestimmt waren. In seinen Erinnerungen,
die in den USA diese Woche unter dem Titel "Mein Jahr im Irak"
erscheinen, bleibt Bremer ganz Diplomat und hinter seiner Mission steht
er nach wie vor.
Aber nie zuvor sind die ungeheuren Spannungen in den Wochen nach dem Einmarsch
in Bagdad so hautnah beschrieben worden, wie in Bremers Erinnerungen.
Die Beginn der Aufstandsbewegung, die seither mehr als tausend Amerikanern
und vielen tausend Irakern das Leben gekostet hat, haben die USA schlicht
verschlafen, erzaehlt der ehemalige Zivilverwalter. Verantwortlich macht
er dafuer vor allem das Pentagon. Die amerikanischen Militaers haetten
die wachsende Flug der Anschlaege viel zu lange unterschaetzt.
Den Praesidenten bat Bremer ueber Monate vergeblich um mehr Truppen:
500 000 Soldaten seien noetig, drei Mal mehr, als der Verteidigungsminister
ins Land geschickt hatte. Doch Pentagonchef Don Rumsfeld, ein alter Wegsgefaehrte
Bremers, draengte im Gegenteil darauf, endlich Truppen abzuziehen. Vom
Praesidenten sei Bremer auch einmal zum gemeinsamen Fitnesstrainigung
ins Weisse Haus geladen worden, damit der ungeschminkt seine Sicht der
Lage beschreiben koennte.
Bush hat zugehoert, berichtet Bremer, aber letztlich dann doch den Empfehlungen
der Militaers gefolgt, die glaubten mit viel weniger Soldaten auszukommen.
Dass Bremer auf sein foermliches Memorandum, in dem er mehr Sodaten fuer
den Irak anfordert, vom Pentagon nicht einmal eine Antwort erhalten hat,
das bestaetigte ein Sprecher.
Ein oeffentlicher Streit ist inzwischen in Washington darueber ausgebrochen,
wer die wahrscheinlich folgenschwerste Entscheidung der Aera Bremer zu
verantworten hat: die Aufloesung der irakischen Armee. Bremer sagt, der
Beschluss sei mit allerhoechstem Segen aus Washington gefaellt worden,
Paul Wolfowitz, der damalige Stellvertreter des Verteidigungsministers
sei dafuer gewesen, ebenso wie Rumsfeld und auch George Bush selbst. Das
Pentagon sieht die Sache anders: klar, befragt wurden Viele, es war ein
komplexer Prozess, argumentiert ein Sprecher, aber letztlich galt das
Wort Paul Bremer, er hatte als Chef der Zivilverwaltung die Entscheidungsgewalt
und er hat das Dekret erlassen, das heute vieler als schweren Fehler ansehen.
Wie ein roter Faden ziehen sich die Spannungen Bremers mit der militaerischen
Fuehrung und vor allem de Buerokratie des Pentagons durch die 400 Seiten
des Buches. Richtiggehend lustig macht sich der Diplomat ueber die irakischen
Exilpolitiker, die, ausgestattet mit viel Geld und dem Vertrauen der amerikanischen
Neokonservativen ins Land gebracht wurden.. Die waren nicht einmal im
Stande eine Parade zu organisieren, geschweige denn einen Staat zu fuehren
zu fuehren, spottet Bremer.
Bremers Bericht ist spannend geschrieben und gespickt mit persoenlichen
Details ueber den schwierigen Entscheidungsprozess zum Irak in der obersten
amerikanischen Fuehrung. Als Bremer wenige Wochen nach dem Fall Bagdads
ins Land kam, waren die Pluenderungen noch im vollen Gange. Was folgte
liest sich wie die hilfslose Fahrt der Supermacht Amerika auf einer steil
abschuessigen Bahn in Richtung Chaos. Eine Fahrt von grossen zu immer
groesseren Krisen, die auch durch die groessten Triumphe der Amerikaner,
wie die Festnahme Saddam Husseins und die Toetung seiner Soehne nicht
aufzuhalten schien.
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