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Pessimismus zu Irak, MoJ,
11.1.2005
Wirklich optimistisch schaetzt
in Washington zur Zeit nur der Praesident die Situation im Irak ein. Waehrend
George Bush wieder und wieder betont, wie ueberzeugt er von der positiven
Wirkung der Wahlen des 30.Jaenner ist, scheint sich in manchen Teilen
der Administration richtige Katastrophenstimmung breit zu machen. Erstmals
artikuliert hat das vergangene Woche Brent Scowcroft, nationaler Sicherheitsberater
von George Bush senior, der vor einem Buergerkrieg warnt und glaubt, dass
der Wahltermin die Gegensaetze nur weiter verschaerfen wird. Seither vergeht
kein Tag, ohne neue zutiefst pessimistische Stimmen aus dem aussenpolitischen
Establishment der USA. Fuer eine Verschiebung der Wahlen treten dabei
die Wenigsten ein, das waere ein verhaengnisvolles Schwaechezeichen. Aber
die Aufstaendischen sind in der Offensive und die USA stecken in einer
Sackgasse. Nach den Wahlen muss dringend ein neuer Weg gefunden werden,
heisst es hinter vorgehaltender Hand.
Der New York Times erzaehlt ein hoher Regierungsvertreter, dass hinter
den Kulissen ein schrittweiser Rueckzug amerikanischer Truppen vorbereitet
wird. Und zwar unabhaengig davon, ob die irakischen Einheiten inzwischen
stark genug sind ein neues Regime in Bagdad zu schuetzen oder nicht.
Ziemliches Aufsehen hat vergangene Woche die Entsendung des pensionierten
Viersternegenerals Gary Luck in den Irak erregt, der vom Pentagon den
Auftrag hat, ungeschminkt zu erkunden, was den eigentlich alles schief
laufe im Zweistromland. Insider interpretieren diesen Schritt als ein
Anzeichen fuer einen Kurswechsel. Habe sich doch die bisherige Taktik
gegen die Aufstaendischen als nicht zielfuehrend erwiesen. Die Eroberung
der rebellischen Stadt Falludscha, die noch vor wenigen Wochen als entscheidender
Schlag gegen die terroristische Infrastruktur bezeichnet wurde, sieht
aus heutiger Sicht eher konterproduktiv aus. Die Basis der Aufstandsbewegung
in der sunnitischen Bevoelkerung ist seither im Gegenteil breiter geworden.
In welche Richtung eine Umorientierung nach den Wahlen allerdings gehen
koennte ist unklar. Im amerikanischen Aussenministerium, das gegenueber
dem Irakkrieg immer skeptisch war, traeumt man von einer sogenannten "Philipinischen
Option": auf Ersuchen der philippinischen Regierung konnten die USA
vor 10 Jahren ihre Truppen problemlos abziehen. Brent Scowcroft, der ehemalige
republikanische Sicherheitsberater, empfiehlt dem Praesidenten bei seiner
Europareise im Februar den Partnern kuehl den baldigen Rueckzug der USA
anzukuendigen, um dann zu sehen, was Deutschen und Franzosen einfaellt,um
das drohende Machtvakuum zu fuellen.
Ueber ganz andere Ueberlegungen berichtet das Nachrichtenmagazin Newsweek:
im Pentagon erwaege man die Bildung von Todesschwadronen zur Einschuechterung
oder Ermordnung von bekannten Rebellen. "Salvadorianische Option"
hiesse dieser Vorschlag in Anlehnung an die von den USA geheim unterstuetzten
Todeskommandos des mittelamerikanischen Buergerkrieges vor 20 Jahren.
Kurdische Peshmerga oder schiitische Milizionaere sollen nach diesem Plan
verdeckte Vorstoesse in die Sunnitengebiete oder auch ins syrische Hinterland
der Aufstaendischen machen, nur so koennten die proamerikanischen Kraefte
wieder in die Offensive kommen.
Im Pentagon weist man solche Informationen als reine Spekulationen von
sich. Tommy Franks, der inzwischen pensionierte einstige Oberbefehlshaber
der Invasionstruppen, kann sich als Ergebnis der gesamten Diskussion zwar
amerikanische Teilabzuege vorstellen, eine militaerische Praesenz der
USA, in welcher Form auch immer, wird es seiner Meinung nach aber noch
laenger geben. Er rechnet mit 3, 5 oder auch zehn Jahren, bevor die USA
das Land verlassen koennen.
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