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Prinz Laurent umstritten,
MiJ, 8.4.2011
Das belgische Königshaus
gilt als Faktor der Stabilität in dem durch Nationalitätenkonflikten
und innenpolitischen Wirren angeschlagenen Land. Aber zur permanenten
Regierungskrise kommt jetzt auch ein heftiger Streit innerhalb der königlichen
Familie. Dem jüngsten Sohn König Alberts, Prinz Laurent, droht
wegen seiner als Paralleldiplomatie bezeichneten Auslandsreisen der Verlust
seiner staatlichen Appanage.
Prinz Laurent ist das Enfant Terrible der belgischen Königsfamilie.
Normalerweise macht der heute 48 jährige jüngste Sohn von König
Albert II mit schnellen Autos Schlagzeilen. Weil er mit 82 Stundenkilometer
durch eine verkehrsberuhigte Straße im Zentrum von Brüssel
gebraust ist wurde ihm vor Kurzem gar der Führerschein entzogen.
Aber wenn Prinz Laurent heute zum Premierminister bestellt ist, dann geht
um die hochpolitische Frage, welche Stellung die Königsfamilie in
Belgien in Zukunft einnehmen wird. Und es geht ums liebe Geld
306 000 Euro beträgt die fürstliche Apanage des Prinzen jedes,
es bezahlen die belgischen Steuerzahler. Im Gegenzug müssen sich
die Mitglieder der königlichen Familie an strikte Regeln halten,
so die Meinung der Regierung.
Genau damit will sich der rebellische Prinz aber nicht abfinden. Trotz
des Vetos der Regierung reiste Laurent in den Kongo, eine ehemalige belgische
Kolonie, um Umweltprojekte zu besichtigen. Der königliche Vater war
empört, denn mit dem kongolesischen Präsidenten Kabila liegt
Belgien seit längerem im Clinch.
In der Vergangenheit ließ sich der Prinz auch von Oberst Gaddafi
in Libyen und dem Präsidenten von Gabon empfangen , ohne Mitwirkung
der belgischen Diplomatie.
Letzte Woche organisierte Prinz Laurent auf eigene Faust für einen
Gaddafikritischen libyschen Diplomaten ein Treffen mit dem verdutzten
belgischen Entwicklungshilfeminister, ebenfalls ohne Wissen des Außenministeriums.
Diese eher harmlos anmutende letzte Episode war es, die einen Sturm der
Entrüstung im Parlament in Brüssel ausgelöst hat, denn
Paralleldiplomatie des Königshauses, das dürfe es nicht geben.
Premierminister Yves Leterme, der zwar im letzten Sommer abgewählt
wurde, aber als geschäftsführender Regierungschef souveräner
agiert, als je zuvor, muss jetzt den Streit um den unbotmäßigen
Prinzen schlichten.
Einen strengen Verhaltenskodex soll Laurent heute Nachmittag unterschrieben,
Auslandsreisen werden dem Prinzen in Zukunft nur mit ausdrücklicher
Genehmigung der Regierung erlaubt sein. Sonst, ja sonst, könnte das
belgische Parlament dem Prinzen seine Apanage streichen. Mit seinen 306
000 Euro im Jahr wird der jüngste Königsohn deutlich knapper
gehalten als Kronprinz Phillip, der die Kleinigkeit von 936 000 Euro erhält.
Aber 306 000 Euro im Jahr für den belgischen Prinzen, das ist mehr
als das Gehalt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.
Nicht nur für die flämischen Nationalisten, die der Königsfamilie
sowieso nicht grün sind, ist das viel zu viel.
König Albert II hat sich bei den monatelangen bisher erfolglosen
Regierungsverhandlungen in Belgien als wichtiger Faktor der Stabilität
erweisen. Der Streit um den jüngsten Prinzen kommt zur denkbar unrechten
Zeit für das belgische Königshaus.
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