Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Private Steuereintreiber in den USA, MoJ, 24.8.2006

An privat betriebene Gefaengnisse, privatisierte Schulen und seit dem Irakkrieg auch an private Soeldner hat man sich in der amerikanischen Oeffentlichkeit gewoehnt. Aber dass das Finanzministerium jetzt auch private Firmen engagiert um Steuerschulden einzutreiben, das hat zu Protesten gefuehrt.
Durch strenge Sparmassnahmen sind die amerikanischen Steuerbehoerden personell derart ausgeduennt, dass sie mit der Eintreibung der Steuern schon sei langem nicht mehr nachkommen. Ab diesem Herbst werden sie nach dem Willen der Regierung von privaten Steuereintreibern dabei unterstuetzt. Drei grosse Finanzfirmen wurden ausgewaehlt. Rund ein Fuenftel der eingesammelten Steuerschulden werden in die Kassen dieser Unternehmen fliessen.
Proteste gibt es von der Gewerkschaft der Finanzbeamten, die davor warnt Steuerunterlagen an Privatfirmen weiterzugeben. Paul Krugman, der scharfzuengige Kolumnist der New York Times erinnert an die Vergabe von Steuerlehen im Absolutismus des europaeischen 16. Jahrhunderts. George Bush regiere wie Ludwig XII, der grosse Marsch zurueck in die Zeit bevor es einen funktionierenden Staat gab sei voll im Gange.
Das amerikanische Finanzministerium gibt zu, dass es kostenguenstiger waere einfach mehr Finanzbeamte anzustellen, als die Steuereinhebung an Private auszulagern. Aber das erlaubt der mehrheitlich republikanische Kongress nicht, der jede Ausweitung des Beamtenapparats ablehnt.
Der schlanke Staat hat offensichtlich seinen Preis. Den in den USA wieder die Steuerzahler bezahlen.

 

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