Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kritik an Blairs Privatisierungsplänen, ZiB 1, 16.11.2002

Ein Wunderwerk an städtischer Infrastruktur, aber in der Krise: zu den größten Verkehrsnetzen der Erde gehört die U-Bahn der britischen Metropole. Aber während vieler Jahrzehnten sind die Investitionen ausgeblieben. Und jetzt gibt es kaum eine Fahrt ohne technisches Gebrechen, entsprechend schlecht ist die Nachrede bei den Passagieren.
In einem schrecklichen Zustand ist die U-Bahn, sagt er, aber wir sind daran gewohnt, an ein System, das nicht funktioniert.
Kapital für die Modernisierung soll nach dem Willen der Regierung über private Financiers aufgebracht werden. Die U-Bahn als solche bleibt in öffentlicher Hand, aber Stationen, Geleise und Züge werden privatisiert. Dann soll das Geld für neue Investitionen fliessen.
Bobby Law, von der Transportarbeitergewerkschaft, kritisiert: Wir glauben einfach nicht, dass das funktionieren wird. Eines der sichersten Systeme der Erde wird destabilisiert, denn es werden gleich drei Konsortien sein, die den gesamten technischen Aspekt übernehmen.
Durch Teilprivatisierungen will die Regierung Blair auch die Finanznöte der Spitäler und Schulen lindern. Der öffentliche Dienst ist in Aufruhr, stammt die Idee doch ursprünglich von den Konservativen. Aber anders ist sei Modernisierung Großbritanniens nicht möglich, argumentiert die Regierungsseite.
Der öffentliche Bereich soll weiter auf Sparkurs bleiben, argumentiert der Labour-Abgeordnete Frank Field, der Finanzminister will keine neue Schulden machen, daher muss man trotz hoher Kosten private Finanzierungsquellen suchen. Denn international wollen wir nicht als verschuldet dastehen.
Während in anderen Bereichen um die genauen Modelle der geplanten Teilprivatisierung noch heftig gestritten wird, gilt das neue Regime in der Londoner U-Bahn schon im kommenden Jahr.
Anders als eine Margret Thatcher das vielleicht getan hätte, plant die Regierung jetzt keine totale Privatisierung. Aber auch die Partnerschaft zwischen privaten und öffentlichen Geldgebern, die geplant ist, stößt auf große Skepsis in der Öffentlichkeit.


 

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