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Historiker und Journalist |
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Protektionismusdebatte in der EU, MiJ, 12.2.2009 Als die Banken krachten im
vergangenen Herbst, da hat die Europäische Aktion durch entschlossenes
gemeinsames Vorgehen einen Kollaps verhindert. Der Euro ist nach wie vor
ein Faktor der Stabilität in turbulenten Zeiten. Aber die Solidarität
innerhalb der EU wird durch die Krise schwer auf die Probe gestellt. Regierungen,
die eigentlich eng miteinander zusammenarbeiten sollten, werfen einander
Protektionismus oder Inaktivität vor. Jetzt soll eine ganze Serie
von EU-Gipfeln helfen die Spannungen zu reduzieren. Gleich drei Mal werden
die Staats-und Regierungschefs der EU in den nächsten Wochen zu Krisengipfeln
zusammentreffen. Schon bei einem Mittagessen am 1.März soll jenes
Thema im Zentrum stehen, das nach Meinung des tschechischen Ratsvorsitzenden
Topolanek zur Zeit die größte Gefahr für Europa darstellt:
ein Comeback des Protektionismus, wenn jedes EU-Land auf eigene Faust
agiert, um seine Wirtschaft zu stützen und Arbeitsplätze zu
retten. Mitte März folgt der reguläre Frühjahrsgipfel der
EU, bei dem es ebenfalls um die Wirtschaftskrise gehen wird. Und im Mai
lädt Tschechien zu einem Jobgipfel nach Prag. Protektionismus, also
der gezielte staatliche Schutz der eigenen Wirtschaft vor der ausländischen
Konkurrenz, ist eigentlich streng verboten in der EU. Der gemeinsame Markt
mit seinen Freiheiten für Kapital und Arbeitnehmer, Waren und Dienstleistungen,
war die Grundlage für den Aufstieg Europas in den vergangenen Jahrzehnten.
Aber als im vergangenen Herbst die Bankenwelt ins Rutschen kam, da blockierte
Deutschland gemeinsame mit den anderen sogenannten Nettozahlern die Idee
eines gemeinsamen europäischen Bankenrettungspakets. Immerhin: es
gab eine enge und erfolgreiche Koordination der EU-Staaten, Europas Banken
wurden gerettet. Aber gleichzeitig wurde das Gewicht der Nationalstaaten
größer in der EU, sie sind es, die Milliarden in die Sanierung
ihrer Banken stecken und logischerweise erhoffen sie sich davon vor allem,
dass die eigene Wirtschaft gestützt wird. Noch viel stärker
kam diese nationale Logik bei den Konjunkturprogrammen der Europäer
zu tragen, die innerhalb der EU nicht viel besser koordiniert sind, als
zwischen allen Industriestaaten auf internationaler Ebene. Nicolas Sarkozy
hat mit seinem Autorettungsplan das Fass zum Überlaufen gebracht.
Denn die 6 Milliarden Euro sollen die französischen Autofirmen nur
dann erhalten, wenn sie garantieren, dass Jobs und Produktionsstätten
in Frankreich bleiben. Eine Vorgabe, die ziemlich klar den Regeln des
Binnenmarktes widerspricht, in der Wirtschaftspolitik soll es in Europa
ja keine Grenzen mehr geben. Tschechien und die Slowakei stiegen auf die
Barrikaden, schließlich ist die Autoproduktion für Westeuropa
für Osteuropa lebenswichtig. Und schon war europaweit von einem tiefen
Zerwürfnis zwischen den zum Protektionismus tendierenden reicheren
EU-Staaten und den neuen auf Freihandel pochenden Mitgliedsstaaten die
Rede. Aber die Fronten verlaufen komplizierter. Auch Deutschland ist als
Exportorientiertes Land über Frankreichs Vorstoß entsetzt.
Angela Merkel hatte am Rand der Münchner Sicherheitskonferenz einen
heftigen Disput mit Nicolas Sarkozy. Tschechien agiert als Vorsitzland
wenig diplomatisch. Mit offenen Attacken gegen Frankreich hat Ministerpräsident
Topolanek als Ratsvorsitzender so manch ungeschriebene Regel verletzt.
Frankreich weist den Protektionismusvorwurf weit von sich, Premierminister
Fillon wird das heute in Brüssel deponieren. Sarkozy wollte überhaupt
keinen Krisengipfel aller EU-Staaten, sondern nur ein Treffen der Eurostaaten,
bei dem er wohl den Vorsitz geführt hätte. Dazu wiederum sagte
Angela Merkel nein. Deutschland lehnt alles ab, was in die Richtung einer
europäischen Wirtschaftsregierung geht. Während die Welt am
Rande einer Depression steht, stehen in der EU somit die politischen Zeichen
somit auf Sturm. Theoretisch wissen alle, dass Wirtschaftsnationalismus
Krisen nur verschärft. Aber wenn Arbeitsplätze gefährdet
sind, dann denken die Regierungen zuerst an sich selbst. Und die Europäische
Kommission, die am Ende ihrer Amtszeit steht, tut sich schwer die Regeln
des gemeinsamen Marktes zu verteidigen. Die bevorstehenden Krisengipfel
in der EU dürften turbulent werden.
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