Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Protektionismusstreit unter EU-Finanzministern, AJ, 10.2.2009

Immer düster werden die Prognosen über Länge und Ausmaß des internationalen Wirtschaftseinbruchs. Ein enger Mitarbeiter des britischen Premierministers spricht von der größten Krise der letzten 100 Jahre. In der Europäischen Union wächst jetzt die Sorge, dass die Mitgliedstaaten bei der Krisenfeuerwehr ihre eigenen Wege gehen könnten, auch wenn das auf Kosten anderer EU-Staaten geht. Beim heutigen Finanzministertreffen in Brüssel bezeichnete der tschechische Ratsvorsitzende den Protektionismus als die allergrößte Gefahr.
Seit Frankreichs Nicolas Sarkozy gemeint hat, französische Autobauer sollten gefälligst in der Krise ihre Produktionsstätten aus Osteuropa wieder nach Frankreich zurück verlegen, gehen die Wogen hoch in der EU. Tschechiens Ministerpräsident Topolanek warf Frankreich schlicht Protektionsmus vor, die mit den Regeln des Europäischen Marktes unvereinbare Diskriminierung der EU-Partner. Die Europäische Kommission, deren Aufgabe es ist sicherzustellen, dass keine EU-Regeln verletzt werden, verlangt von Frankreich jetzt zusätzliche Informationen. Die Brüsseler Behörde ist besorgt und will klären, ob die Pariser Milliarden-Hilfe für die Autoindustrie mit Europäischem Recht im Einklang steht.
Der Staat darf notleidenden Branchen unter bestimmten Umständen unter die Arme greifen. Aber wenn eine Bedingung dafür ist, dass nur die nationale Produktion davon profitiert, also zum Beispiel keine Zulieferung aus anderen EU-Staaten erlaubt ist, dann wäre diese Hilfe nach EU-Recht illegal.
Neben Tschechien warnen auch Schweden und Luxemburg vor den Gefahren des Protektionismus, der aus dem Vereinten Europa sehr rasch ein Schlachtfeld von 27 nicht mehr miteinander sondern gegeneinander agierenden Staaten machen könnte.
Auf wenig Interesse stieß bei den Finanzministern Österreichs Vorstoß für ein neues Osteuropa-Hilfsprogramm. Deutschlands Finanzminister Steinbrück sieht dahinter keine gesamteuropäischen, sondern spezifisch österreichische Motive:
OT
Finanzkommissar Almunia meinte, unter den Finanzministern habe es keine Diskussion zu dem Thema gegeben. Auch die osteuropäischen EU-Staaten selbst haben sich zur Initiative der österreichischen Regierung 150 Milliarden Euro nach Osteuropa zu pumpen bisher nicht zu Wort gemeldet.

 

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