Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Rasmussen NATO-Favorit, MiJ, 23.3.2009


In zwei Wochen werden in Strassburg die Staats- und Regierungschefs des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses NATO zu einem Jubiläumsgipfel zusammenkommen. Erwartet wird auch Barack Obama zum ersten Europabesuch seit seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten. Eine Vorentscheidung scheint für den NATO-Gipfel getroffen zu sein: neuer NATO-Generalsekretär dürfte der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen werden.
Die großen europäischen NATO-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben sich schon in der vergangenen Woche auf den dänischen Ministerpräsidenten festgelegt, jetzt hat offensichtlich auch die Obama Administration in Washington dem konservativen Dänen ihren Segen gegeben zu haben. Rasmussen soll Nachfolger des Holländers Jaap de Hoop Schaefer als NATO-Generalsekretär werden.
Eine Enttäuschung ist diese Wahl für Polen. Wochenlang hat die polnische Regierung massives Lobbying für Außenminister Radoslaw Sikorski betrieben. Es sei endlich Zeit, den Vertreter eines neuen osteuropäischen Mitgliedslandes an die Spitze der westlichen Allianz setzen, hieß es in Warschau. Aber Europäer und Amerikaner sind gerade jetzt bemüht, ihr Verhältnis zu Russland zu verbessern. Da hätte sich ein als polnischer Hardlinier verschriehener Generalsekretär schwer getan.
Dagegen gilt Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen als geübter Verhandler. Drei Wahlen hintereinander hatte der rechtsliberale Politiker gemeinsam mit seinen konservativen Koalitionspartnern gewonnen. Rasmussen war einer der engen Verbündeten George Bushs in Europa, den Irakkrieg unterstützte er aus vollem Herzen. Dänische Soldaten gehörten für kurze Zeit zur sogenannten Koalition der Willigen im Irak. Aber politischen Schaden hat der telegene Regierungschef nicht genommen.
Die einzigen Zweifel an seiner Bestellung an die Spitze der NATO sind aus der Türkei zu hören. In Ankara erinnert man sich an den Streit um die Mohammed Karikaturen einer dänischen Zeitung 2005, die in der islamischen Welt als rassistisch empfunden wurden. Rasmussen weigerte sich hartnäckig ein Wort der Kritik an den Zeichnungen zu äußern. Innenpolitisch verfolgten die dänischen Rechtsregierungen einen harte Ausländerpolitik, wiederholt sprach sich der Langzeitpremier gegen den EU-Beitritt der Türkei aus. Aber dass die türkische Regierung die Weichenstellung für Rasmussen im letzten Augenblick verhindert, wenn sich die wichtigsten NATO-Partner bereits geeinigt haben, ist unwahrscheinlich.
An der Tradition, dass im westlichen Bündnis ein Europäer die politische Funktion des Generalsekretärs ausübt, ein Amerikaner dafür aber das militärische Oberkommando übernimmt, will die NATO auf jeden Fall festhalten.


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann