Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Ratingagenturen - Kontrollpläne, MiJ, 2.6.2010

In den jüngsten Turbulenzen der Finanzwelt sind sie heftig kritisiert worden: die sogenannte Rating-Agenturen, deren Einschätzung von der wirtschaftlichen Potenz eines Unternehmens oder auch eines Staates auf den Finanzmärkten so ernst genommen wird. Weil die Kreditwürdigkeit Griechenlands herabgestuft wurde und zuletzt auch Spanien Federn lassen musste, hat sich die Schuldenkrise in beiden Ländern verschärft. Jetzt will die Europäische Kommission die Kontrolle über diese ausschließlich anglosächsichen Rating-Agenturen verschärfen.
Fast im Wochentakt kommen jetzt die Vorschläge der Europäischen Kommission, wie die Versprechen umgesetzt werden könnten die Finanzmärkte zu regulieren. Offensichtlich hat die Kritik gewirkt, dass alles viel zu langsam geht bei Erstellung der neuen Regeln.
Heute sind die sogenannten Rating-Agenturen dran, die Europa strenger an die Kandare nehmen will. Es handelt sich um Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit von Banken, Firmen und sogar Staaten beurteilen. Ein dreifaches AAA ist die Bestnote. Österreich zum Beispiel hat ein solches dreifaches A. Die Noten für Griechenland und zuletzt auch Spanien haben sich dagegen verschlechtert. Ab B+ gelten Wertpapiere bereits als Ramsch. Den Ton geben die drei großen in den USA und Großbritannien angesiedelten Ratingagenturen Standard and Poors, Fitch und Moodys an.
Eine Kontrollfunktion in Europa für diese einflussreichen Ratingagenturen erfüllten mehr schlecht als recht nationale Finanzaufsichtsorgane. Das will die Europäische Kommission ändern. Nach Vorschlägen des rührigen Finanzkommissars Michael Barnier wird die zukünftige europäische Börsenaufsicht die Agenturen beaufsichtigen und nicht mehr zahnlose nationale Behörden. Die neue EU-Kontrollbehörde soll ermitteln können, wenn eine Ratingagenturen zweifelhafte Bewertungen ausspricht, es soll möglich werden Dokumente anzufordern, Verdächtige zu verhören und Strafen zu verhängen.
Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker geht weiter und verlangt die Bildung einer eigenen, europäischen Ratingagentur, die von der Europäischen Zentralbank überwacht werden müsste.
Das Problem bei all diesen Vorschlägen: die Ratingagenturen haben zwar krasse Fehleinschätzungen geliefert, aber sie agieren unabhängig von politischem Druck. Das macht ihre Stärke aus.Eine Agentur, die vom Goodwill der finanziell angeschlagenen EU-Regierungen abhängen würde, hätte wenig Glaubwürdigkeit auf den Märkten.
Die Europäische Kommission stellt daher größere Transparenz ins Zentrum ihrer Regulierungsvorschläge für die Rating-Agenturen. Details sind heute Nachmittag zu erwarten.

 

 

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