Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

Refco Insolvenz aktuell, MiJ, 2.11.2005

Wenn alles nach Plan laeuft, wird es Dienstag naechster Woche in New York die erste Versteigerung einer Tochter des zahlungsunfaehigen Brokerhauses Refco geben. 780 Millionen Dollar hatte zuletzt der private Investmentfonds des Bankers Christopher Flowers geboten, auch mehrere andere Finanzgruppen haben ihr Interesse bekundet. Parallel dazu geht das fuer Aussenseiter ziemlich chaotisch wirkende Insolvenzverfahren der Refco-Gruppe weiter. Vergangene Woche haben sich die geschaedigten Kreditgeber zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Front zu bilden. Insgesamt 25 Banken und Fonds mit zum Teil klingenden Namen haben zu diesem Zweck ein Komitee gebildet. Nicht dabei ist die BAWAG, obwohl die oesterreichische Bank zu den groessten Glaeubigern von Refco gehoert. Das Wall Street Journal berichtet, die zustaendigen Beamten des amerikanischen Justizministeriums haetten ein entsprechendes Ansuchen der BAWAG abgelehnt, Begruendung gab es fuer die Oeffentlichkeit keine. Einen Teil ihrer Kredite hat die BAWAG inzwischen verkauft, denn in der bunten Welt der Finanzgeschaefte gibt es durchaus auch Interessenten fuer faule Kredite.
Ebenfalls parallell zum Insolvenzverfahren laeuft ein Finanzstrafverfahren gegen den ehemaligen Refco-Chef Phillipp Bennett, dessen versteckte Schulden in der Hoehe von 430 Millionen Dollar ja Anfang Oktober zum Zusammenbruch des Brokerhauses gefuehrt hat. Kronzeuge gegen Bennett ist sein ehemaliger Kollege, Refco Finanzchef Santo C.Maggio. Maggio war bei Ausbruch des Skandals gemeinsam mit Bennett gefeuert worden. Jetzt arbeitet er mit dem Staatsanwalt zusammen, dafuer wurde ihm Strafminderung zugesagt. Wenn Maggio auspackt, so hoffen die Ermittler, dann wird es moeglich sein hinter das Gestruepp unuebersichtlicher Finanzverbindungen zu kommen. Vor allem will man ja klaeren, woher die 430 Millionen Dollar Schulden des Firmenchefs ueberhaupt kommen.
Ein anonymer Informant des Wall Street Journals hat den in Bermuda angesiedelten Investmentfonds namens Ross Capital des aus Oesterreich stammenden Wolfgang Floettl als einen Verursacher der Millionenschuld bezeichnet. Floettl, der Sohn des ehemaligen BAWAG-Chefs Walter Floettl bestreitet das entschieden, es habe stets nur normale geschaeftliche Beziehungen zwischen Refco und Floettls Ross Capital Fond gegeben. Und dass Refco keineswegs das voellig gesunde Brokerhaus, war, als das es bei der Boerseneinfuehrung im September dargestellt wurde, das laesst sich inzwischen aus den nun aufgetauchten Unterlagen ablesen: Refco ist danach schon Ende der Neunzigerjahre einmal haarscharf am Totalkollaps vorbeigegangen.

 

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