Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Reformvertrag stärkt Parlament, MiJ, 12.12.2007

Der Reformvertrag, der morgen in Lissabon unterzeichnet wird, bringt eine Reihe von institutionellen Veränderungen in der Europäischen Union. Neben einem gestärkten Aussenpolitikvertreter wird die Europäische Union, sollte der Vertrag im kommenden Jahr ratifiziert werden, auch ein deutlich gestärktes Parlament haben.
Schon jetzt behandelt das Europäische Parlament in Ausschüssen, Unterausschüssen, Fraktionen und bei den Plenartagungen eine derart große Fülle von Themen, dass es nicht leicht ist den Überblick zu bewahren. Doch in Zukunft wird die Themenpalette noch größer werden. Denn außer bei der Außenpolitik und in Fragen der nationalen Sicherheit, dem Rat der Mitgliedsstaaten vorbehalten bleibt, läuft nach dem neuen Vertrag ohne Parlament nichts mehr.
Der Politikwissenschaftler Sebastian Kurpas sieht das Europäische Parlament als den großen Gewinner des Reformvertrages, das sogenannte Mitentscheidungsverfahren, in dem Parlament und Rat der Regierungchefs gleichberechtigt sind, wird die Regel.
CUT 1 + CUT 2 Kurpas
Die Initiative zu EU-Gesetzen bleibt wie bisher, bei der Europäischen Kommission. Aber die politischen Mehrheitsverhältnisse im Parlament mit seinen in Zukunft 751 Mitgliedern werden in Zukunft wichtiger werden. Auch für eine der wichtigsten Personalentscheidungen der Europäischen Union, die Entscheidung wer die Europäische Kommission führen soll, urteilt der Politikwissenschaftler Sebastian Kurpas.
CUT 4 Kurpas
Die Mitte Rechts Mehrheit im bisherigen Parlament hatte den jetzigen aus dem konservativen Lager kommenden Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso nur bestätigt, es war kein echter parlamentarischer Wahlvorgang.
Die Stärkung des Europäischen Parlaments ist auch für den grünen Mitautor der einstigen EU-Verfassung, Johannes Voggenhuber, die entscheidende neue Entwicklung. Den Vorwurf, die EU werde durch die institutionellen Reformen zum autoritären Überstaat, kann Voggenhuber nicht nachvollziehen.
CUT VOGGI 7,51 3x
Konkret hält sich der Reformvertrag in weiten Strecken an die Vorschläge der seinerzeitigen Verfassung, so Johannes Voggenhuber.

CUT 8,54

Ein mehr an Europäischem Parlamentarismus, das könnte helfen die Wahlbeteiligung zu erhöhen, die Europawahlen traditionell belasten. Nach dem gegenwärtigen Plan sollten ja auch die nächsten Europaeischen Parlamentswahlen im Sommer 2009 schon nach den neuen Regeln ablaufen, sollte der Reformvertrag bis dann in allen 27 Mitgliedsstaaten ratifiziert sein.
Eine Kompetenz wird dem Parlament allerdings entzogen bleiben: ihren eigenen offiziellen Amtssitz können die Parlamentarier nicht nach Brüssel verlegen, wo der größte Teil des parlamentarischen Alltags abläuft. Jeden Monat übersiedelt das Europäische Parlament für ein paar Tage zur Plenartagung aus Brüssel nach Strassburg. So haben das die Mitgliedsstaaten in den Grundverträgen der Europäischen Union festgelegt und daran wird auch der Reformvertrag nichts ändern.


 

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