| |
|
Republikanischer Parteitag
New York - Vorschau, Mittagsjournal, 30.8.2004
Hunderttausende Demonstranten
haben gestern von New York aus dem ganzen Land gezeigt, wie stark der
Anti-Bush-Reflex nach wie vor ist. Aber die Delegierten gehen trotzdem
zuversichtlich in diese Convention. Denn der republikanische Wahlkampf
laeuft gut zur Zeit. John Kerry ist durch eine unerwartete Kontroverse
um seine Vietnamzeit in die Defensive gekommen. Und George Bush laeuft
bei den taeglichen Wahlveranstaltungen energiegeladen, volkstuemlich und
immer wieder auch witzig zur Hochform auf. Den Bonus des Amtsinhabers
spielt er voll aus: in die vom Unwetter verwuesteten Gebiete Floridas
bringt er Notstandshilfe aus Washington. Als oberster Kriegsherr reorganisiert
er die Geheimdienste fuer den Kampf gegen den Terror.
Kritiker sagen, das seien allzu oft Pseodomassnahmen fuer den Wahlkampf.
Die verfahrene Lage im Irak ist dadurch in der breiten Oeffentlichkeit
ebenso in den Hintergrund getreten wie das Stottern des Wirtschaftsmotors
in Amerika.
In einigen der am heftigsten umkaempften Bundesstaaten wie Florida, Ohio
und Michigan hat der Praesident laut Meinungsumfragen zugelegt. Die Convention
in New York soll daraus einen Trend machen.
New York, das sollte ganz bewusst an das nationale Trauma des 11.September
anknuepfen und George Bushs zentrale Rolle in den Monaten danach in Erinnerung
rufen. Gleichzeitig will die Wahlkampfregie ganz so wie vor vier Jahren
ein sanftes und gemaessigtes Bild der republikanischen Partei praesentieren.
Bekannte Hardliner werden in den naechsten Tagen im Hintergrund bleiben.
Dafuer stehen gemaessigte Republikaner wie der ehemalige New Yorker Buergermeister
Rudolph Giuliani und Kaliforniens Arnold Schwarzenegger ganz vorne auf
der Rednerliste.
Aber ob eine solche Taktik nach diesen stark ideologisch gepraegten konservativen
Regierungsjahren aufgehen kann, bleibt offen. Die tiefe Spaltung des Landes
wird sich nicht so leicht zudecken lassen. Dass George Bush nicht als
Einiger auftreten kann, das ist eine seiner Schwaechen.
Der Praesident selbst muss auf diesem Parteitag vor allem seine Ziele
fuer eine zweite Amtszeit formulieren, nicht nur in der nationalen Sicherheit
auch in der Wirtschaftspolitik und im sozialen Bereich: eine Aufgabe,
die ihm nicht ganz leicht zu fallen scheint. Selbst aus den sonst so konservativen
Kreisen der Wall Street sind besorgte Stimmen zu hoeren, mehr Steuersenkungen
werde sich das Land ganz sicher nicht leisten koennen. Und noch immer
ist eine Mehrheit der Amerikaner der Meinung, das Land gehe in die falsche
Richtung. Ein Eindruck, den die Republikaner bei dieser Convention widerlegen
muessen, wenn George Bush ernsthaft auf die Ueberholspur kommen soll.
Die Demonstrationen, die waehrend der ganzen Woche weitergehen,
werden die Delegierten daran erinnern, die wie tief das Land politischen
gespalten ist. John Kerry mag im Augenblick in der Defensive sein, aber
der Herausforderer hat trotzdem eine starke und hochmotivierte Basis.
Kerry ist am besten, wenn er in Schwierigkeiten steckt, warnen selbst
republikanische Strategen in New York. Trotz der verbesserten Umfragewerte
ist noch immer eine Mehrheit der Amerikaner der Meinung, das Land gehe
in die falsche Richtung. Das macht einen Praesidenten angreifbar. Und
der erwartbare Zuwachs in den Meinungsumfragen nach vier Tagen Parteitagsshow
koennte leicht durch Ereignisse von aussen, sei es im Irak oder in der
Wirtschaft zu Hause,
zunicht gemacht werden.
Auch wenn die Republikaner wie bisher keine Fehler machen im Wahlkampf,
konnte es diesmal bis zuletzt ein offenes Rennen bleiben.
nach oben,
Fenster schließen
|