Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Rove unter Beschuss, MoJ, 14.7.2005



Aussnahmsweise richteten sich bei der Kabinettsitzung im Weissen Haus gestern alle Augen auf den Mann hinter dem Praesidenten: Karl Rove, stellvertretender Stabschef, sass wie wie immer als Beobachter in der Zweiten Reihe. Der Chef musste ihn jedoch diesmal verteidigen.
Die Untersuchung laeuft, es ist eine ernste Untersuchung und niemand sollte zu Vorverurteilungen auf Grund von Medienberichten schreiten, so George Bush.
Seit Tagen prasselt es ein richtiggehendes Trommelfeuer der Kritik auf Carl Rove nieder, den Mann, der als das geniale innenpolitische Hirn der Administration gilt. Die Demokraten verlangen seinen Ruecktritt
Wenn jemand so Hochrangiger im Weissen Haus de Presse Geheiminformationen gibt, so die demokratische Fraktionsvorsitzende Nancy Pelosi, dann gefaehrdet das die nationale Sicherheit. In den Pressebriefings des Weissen Hauses interessiert die Journalisten nur mehr eine Frage: hat Rove gegenueber Journalisten eine Geheimagentin des CIA getarnt, um sich an ihrem Bush-kritischen Ehemann zu raechen? Das waere strafbar, seit einem Jahr schon sucht ein Sonderermittler nach der undichten Stelle im Umkreis des Praesidenten.
Der Name des hochrangigen Bush-Mitarbeiters ist in den Unterlagen eines Journalisten des Time Magazines aufgetaucht, die dem Gericht uebergeben wurden. Weil sie sich weigert anonyme Quellen zu nennen, sitzt Judith Miller, eine Journalistin der New York Times seit Tagen im Gefaengnis.
Die Affaire reicht bis in die Zeit vor dem Irakkrieg zurueck, als der Name der nunmehr namentlich bekannten Agentin Valery Plame im Zusammenhang mit der Kritik ihres Ehemannes an der Irakpolitik der Regierung in der Presse auftauchte. Daraus wurde ein Skandal, weil der Informant ganz offensichtlich aus dem engsten Umkreis des Praesidenten kam. Und den Namen von Geheimagenten zu enttarnen, das ist streng verboten.
George Bush hatte damals hoch und heilig versprochen, der Schuldige werde zur Verantwortung gezogen, undichte Stellen in seiner Regierung wolle er nicht dulden.
Doch jetzt will sich im Weissen Haus niemand mehr festlegen. Wir werden den Ergebnissen der Untersuchung nicht vorgreifen, hoeren die Journalisten wieder und wieder:
Dass sich Carl Rove wirklich strafbar gemacht hat, ist in keiner Weise bewiesen und President Bush ist dafuer bekannt, dass er eisern hinter seinen treuen Mitarbeitern steht. Aber eine politische Belastung wird die Affaire bleiben, bis der Sonderermittler endlich seine Ergebnisse offen legt.

 

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