Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Schengen aufgeweicht, ZiB 1, 5.5.2011

Flüchtlingsbewegungen hat es in Europa immer wieder gegeben. Warum führt das im Fall der Migrationsbewegung aus Nordafrika so rasch zu einer Grundsatzdebatte über Schengen?
Der Anlass ist tatsächlich erstaunlich, ein paar tausend Flüchtlinge aus Tunesien und Libyen, das dürfte Europa doch eigentlich nicht überfordern.
Ganz offensichtlich wird diese Migrationswelle politisch benützt. In Frankreich und Italien innenpolitisch, aber auch auf europäischer Ebene.
Denn die Bemühungen zu einer echten gemeinsamen Asylpolitik und Einwanderungspolitik in der EU, die sind immer wieder gescheitert, an der Blockade der Mitgliedsstaaten.
Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus, in Richtung der Renationalisierung.
Wenn es bisher Probleme an den Außengrenzen gegeben hat, wie zum Beispiel in Griechenland, dann hat man eben nach einer gemeinsamen Lösung gesucht. die Europäische Grenzschutzorganisation Frontex ist zum Einsatz gekommen.
Der Diskussionsvorschlag jetzt lautet, dass in solchen Krisenfällen auch eine gegenseitige Abschottung möglich sein soll, wenn zeitweise wieder Grenzkontrollen eingeführt werden.
Wie wahrscheinlich ist es, das sich in bevorstehenden die Befürworter von mehr Grenzkontrollen in der EU durchsetzen werden?
Frankreich und Italien machen massiv Druck, das ist klar. Aber das ist eine Richtungsentscheidung, die wird nicht so einfach möglich sein. Es gibt Viele, die auf die Barrikaden zu steigen werden gegen eine Verwässerung der Reisefreiheit, sowohl in den MS als auch im EP.
Schließlich ist das europaweite freie Reisen eine der Errungenschaften der EU, die wirklich jeder Bürger spürt, die aber aufs Spiel gesetzt würde, wenn sich eine Tendenz zur Renationalisierung durchsetzt.
Im Innenministerium in Wien ist man skeptisch und weist man darauf hin, dass die Grenzposten längst aufgelöst sind, die Gebäude sind verkauft und die Beamten stehen wo anders im Einsatz stehen.


 

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