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Schoenborn gegen Neodarwinismus,
MoJ, 12.7.2005
Von der amerikanischen katholischen
Bischofskonferenz gab es bisher keine Reaktion auf den Artikel Kardinal
Schoenborns in der New York Times. Der Meinungsstreit um die Evolutionstheorie
ist in Amerika bisher vor allem von der Kritik evangelikaler Christen
an Darwins Thesen ausgegangen, die katholische Kirche hielt sich zurueck.
Das macht verstaendlich, warum der Frontalangriff des oesterreichischen
Kardinals gegen das, was er als neodarwinistisches Dogma bezeichnet, Aufsehen
erregt. An Aeusserungen derart hochrangiger katholischer Vertreter zum
Evolutionsstreit kann sich hier kaum jemand erinnern.
Es sind vor allem Vertreter evangelikaler Gruppen in den lokalen Schulbehoerden,
die verlangen, dass die Evolutionstheorie im Biologieunterricht nicht
als einziges Erklaerungsmodell angeboten wird. Zuletzt mussten Naturkundebuecher
im Bezirk Cobb County in Georgia mit einem Aufkleber versehen werden,
wonach Darwins Thesen nicht als Wissenschaft sondern als eine verschiedener
moeglicher Theorien angesehen werden sollte. Ein Gericht hat diese Verfuegung
schliesslich ausser Kraft gesetzt. Noch polarisierter war die Situation
im Bundesstaat Kansas, dessen Schulen ueber Jahre von der Pflicht entbunden
waren die Evolutionstheorie auch nur zu unterrichten, zum grossen Entsetzen
der Wissenschaft. Auch davon ist man inzwischen abgegangen.
Als Alternative zu Darwin wird von christlich-evangelikaler Seite in der
Regel ein Konzept vertreten, das intelligentes Design genannt wird. Von
der Wissenschaft werden diese Theorien nicht ernst genommen, aber in zahlreichen
Buechern versuchen die Anhaenger des Intelligenten Designs zu belegen,
dass sich die Lebewesen der Natur nicht ohne einen goettlichen Plan, allein
durch natuerliche Auslese und zufaellige Selektion, entwickelt haben koennen.
Diese Buecher wuenschen sich christlich-fundamentalistische Vertreter
auch im Unterricht. Kritiker sagen, dahinter verbirgt sich Creationism,
also der Kreationismus, der die biblische Schoepfungsgeschichte woertlich
nimmt und glaubt, jede einzelne Tierart oder Pflanzenart und natuerlich
auch der Mensch sei von Gott unmittelbar erschaffen worden.
In seinem Artikel in der New York Times lehnt Schoenborn die Evolutionstheorie
nicht voellig ab. Design in der Natur, also zielgerichtete goettliche
Planung zu leugnen, sei jedoch eine Grenzueberschreitung mancher Biologen
und nicht wissenschaftlich.
Manchen Vertretern der evangelikalen Christian Coalition schwebt jetzt
ein Buendnis mit konservativen Katholiken in der Kritik an der Evolutionstheorie
vor, so aehnlich wie das Zusammenwirken gegen Abtreibung, Homosexuellenehe
oder Stammzellenforschung. Die Katholiken sind die groesste Religionsgemeinschaft
des Landes und in jeder Frage ist ein Engagement der Kirche ein wichtiger
Faktor fuer das geistige Klima in Amerika. In der amerikanischen katholischen
Hierarchie hat bisher allerdings noch niemand den Denkanstoss aus Oesterreich
aufgegriffen.
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