Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Serbische Wahlen - EU-Reaktionen, MiJ, 21.1.2008

Wie sieht man in Brüssel den Erfolg des ultranationalistischen Kandidaten im ersten Durchgang der serbischen Präsidentschaftswahlen?
Keine Frage: viele sind enttäuscht, hat sich sehr bemüht zu zeigen, dass Serbien Europäische Perspektive hat. Trotz des Disputs um mutmassliche Kriegsverbrecher, trotz vergangener Konflikte.
Das ja auch ein Grund, warum so lange versucht wurde Verhandlungen weiterzuführen, auch nach Atisaari-Mission gescheitert.
Vor allem Slowenien, das Präsidentschaft innehat, weit vorgewagt, möchte dass Serbien beschleunigt in die EU aufgenommen wird.
Aber große Brocken Kosovo, wo EU und Serbien völlig entgegengesetze Ansätze, erweist sich als sehr, sehr große Belastung - diese Avancen vielleicht sogar zunichte gemacht, weil in Serbien Reaktionen gegeben hat, wir lassen uns Kosovo mit EU-Mitgliedschaft nicht abkaufen.
Man hat nicht aufgegeben, Stichwahl ja erst in knapp 2 Wochen, aber man ist sich Tatsache bewusst, dass sehr schwer wird für Tadic.
Und diese Stichwahlen werden Charakter pro-contra EU bekommen, scjlielich Nikolic Vojislav Seselj Parteichef in Den Haag vor Gericht.
Aber Hoffnung auf Comeback Tadic noch da, obwohl man weiß , dass es schwer wird.
Wir unter anderem wohl auch von Stellungname Kostunica abhängen, der Nationalist aber nicht Türen zu Europa zugemacht hat.
Egal sein kann es Europa ganz sicher nicht, wie das Ergebnis in Belgrad letztendlich aussieht.
Ganz sicher nicht. Man weiß in Brüssel, dass Serbien das Schluesselland für den Balkan ist. Wenn Kosovo-Unabhängigkeiterklöärung, dann wesentlich von Serbien abhängen, ob die ganze Region in neue, vielleicht sogar blutige Krise gestürzt wird.
Dann kommt noch etwas dazu: wenn sich Serbien von Europa abwendet, dann würde es sich Russland zuwenden. Und das hätte auch eine geostrategische Dimension.
Europa in den vergangenen 15 Jahren historisch in ungewohnlichen Situation. Russland hat in der europäischen Politik keine Rolle gespielt. Dieses Mondfenster der Abwesenheit Russlands von der Bühne der europäischen Politik, geht jetzt zu Ende.
Mit einem prorussisch orientierten Serbien hätte Russland erstmals seit langem wieder einen Fuss in Europa, noch dazu im sensiblen Balkan.
Daher sehr wichtig genommen.
Aber der Handlungsspielraum der EU beschränkt. Wegen des Kosovo-Konflikts und wegen des Schattens der Vergangenheit, den Jugoslawienkriegen.
Mehrere EU-Staaten wollen vor der Stichwahl das Angebot noch verbessern an Serbien und ein bereits ausgehandeltes Assozierungsbakommen unterzeichnen, das wäre Vorstufe zu EU-Beitritt.
Dagegen wenden sich die Niederlande, die an die alte Forderung erinneren, dass mutmassliche Kriegsverbrecher Mladic und Karadzic ausgeliefert werden. Die meisten anderen EU-Staaten würden angesichts aktuellen Gefahren da nachgeben, Argument geht ja um Vorstufe zu Beitritt und nicht direkt Beitritt. Aber in Außenpolitik Einstimmigkeit und Niederlande blockieren bisher.
Nächsten Montag Aussenministerrat der EU, sehen, ob sich bis dann etwas bewegt.
Zumindest Beginn Verhandlungen für visafreies Reisen in EU nächste Woche in Belgrad - Visaliberalisierung Bürgern sehr wichtig in Serbien.
Viel mehr andere Möglichkeiten hat Brüssel wahrscheinlich nicht. Divse ist: nicht Nerven verlieren, auch letzte Mal Tadic zuerst zurück gelegen und dann Comeback.
Ob die EU einen Weg finden würde mit dem Ultranationalisten Nikolic zu leben, sollte der am Ende Präsident werden?
Schwer, Frage nach Plan B keine klaren Antworten. Parteichef Nikolic ist Vojislav Seselj, der als verdächtiger Kriesgverbrecher in Den Haag vor Gericht. Das wenig Gemeinsamkeiten.
Wäre Europa dann Initiative genommen. Heisst nicht automatisch, dass neuen Krieg geben wird. Aber das dann mehr davon abhängen, wie der Einfluss Moskaus sich auswirkt. Ob auf Mäßigung drängt oder ob Moskau Interesse hat eine Krise aufrecht zu halten.
Das Initiative aus der Hand gegeben, für gewissen Zeit mit Nikolic. Würde jetzt schon schweirige Situation auf dem Balkan noch deutlich schwieriger machen.




 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann