Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Showdown um Sparpläne in der EU, MiJ, 27.9.2010


In der Europäischen Union soll der Stabilitätspakt verschärft werden, damit sich eine Schuldenkrise wie in Griechenland nicht wiederholen kann. Darüber waren die Europäer grundsätzlich schon vor dem Sommer einig. Aber welche Sanktionen wie streng angewendet werden sollen in Zukunft, darüber scheiden sich die Geister. Bei einem Treffen der EU-Finanzminister im Rahmen der sogenannten Task Force unter Vorsitz von Ratspräsident Hermann van Rompuy heute Abend will sich auf die Eckdaten eines Maßnahmenpaketes einigen. Eigentlich wollte Hermann van Rompuy die nächsten Schritte zur gewünschten Verschärfung des Stabilitätspaktes schon längst vorlegen. Aber vor zwei Wochen gingen die Finanzminister mit leeren Händen auseinander. Ein peinlicher Rückschlag für den Ratspräsidenten, der den Staats- und Regierungschefs melden musste, dass man sich vorläufig nicht einmal auf einen Zwischenbericht einigen konnte.
Für die heutige Krisensitzung der Task Force prescht Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble vor, der in einem Brief an Hermann Van Rompuy die strengen deutschen Vorschläge präzisiert. Danach sollen Zahlungen aus Brüssel an wiederholte Budgetsünder automatisch eingestellt werden. Sowohl die sogenannten Kohäsionsfonds für die ärmeren Regionen der EU als auch die Agrarzahlungen wären von diesen Kürzungen betroffen.
Zu den Hardlinern zählen die Niederlande, Großbritannien aber inzwischen auch die Europäische Kommission, die am kommenden Mittwoch ihre eigenen Vorschläge präsentiert. Deutschland unterstützt ausdrücklich die Idee von Finanzkommissar Olli Rehn, dass ein EU-Land in Zukunft schon zu Beginn eines Defizitverfahrens eine Sicherheitsleistung von 0,2 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes hinterlegen muss. Defizitsündern solle in der EU also eine Art Pfand abverlangt werden, dass sie erst zurückbekommen, wenn alle Sparauflagen erfüllt sind.
Die Kommission will auch den Schuldenstand der Mitgliedsstaaten drastisch verkleinern und nicht nur die Neuverschuldung alleine berücksichtigen. Theoretisch dürfen die Staatsschulden ja 60 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht überschreiten, diese Regel ist bisher aber sehr lax gehandhabt werden. Olli Rehn möchte die Staaten jetzt zwingen zwischen ihre Schulden kontinuierlich abzubauen.
Dagegen laufen Italien, Belgien und auch Frankreich Sturm, die ihre Sparprogramme massiv verschärfen müssten. Italiens Staatsschuld wird demnächst auf 116 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen, Probleme seine Schulden zu zahlen hatte das Land noch nie.
Aus Schweden kommt noch ein anderer Vorstoß: die Regierung in Stockholm verlangt, dass auch die künftigen Pensionszahlungen bei der Berechnung des Defizits berücksichtigt werden, was wiederum Deutschland nicht gefällt.
Das Showdown um das Sparen wird bis zum nächsten EU-Gipfel Ende Oktober weitergehen, dann müssen Beschlüsse fallen.

BEITRAG LÖW, SHOWDOWN UM SPARPLÄNE, Shorty, 27.9.2010

Für die heutige Krisensitzung der Task Force prescht Deutschland vor. Zahlungen aus Brüssel an wiederholte Budgetsünder sollen in Zukunft automatisch eingestellt werden, verlangt Finanzminister Schäuble.
Zu den Hardlinern zählt inzwischen auch die Europäische Kommission, die sich ein neues Pfandsystem für Budgetsünder ausgedacht hat. EU-Staaten mit gefährlichem Defizit sollen einen hohen Geldbetrag hinterlegen müssen, den sie erst zurückbekommen, wenn alle Sparauflagen erfüllt sind.
Auch der Schuldenstand der Staaten selbst soll rapide auf die erlaubten 60 Prozent der Wirtschaftskraft gesenkt werden.
Dagegen laufen Italien, Belgien und auch Frankreich Sturm, die ihre Sparprogramme drastisch verschärfen müssten.
Das Showdown um das Sparen wird bis zum nächsten EU-Gipfel Ende Oktober weitergehen, dann müssen Beschlüsse fallen.



 

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