Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Skandal um Gefangenemisshandlung im Irak, ZiB 2, 3.5.2004

Langsam daemmert es der amerikanischen Oeffentlichkeit, wie verheerend diese Bilder wirken, fuer das Image der USA.
Seitt Jahrzehnten hat nichts unsere Glaubwuerdigkeit so untergraben, wie diese Szenen, klagt der demokratische Senator Joseph Biden .
Die Irakinvasion als Alptraum, liest man heute in der New York Times.
Immer mehr wird das Gefaengnis von Abu Graib, aus dem die beschaemenden Fotos stammen, zu einem Symbol dafuer, was alles schief laeuft in der amerikanischen Irakpolitik.
Sechs Strafverfahren und 10 Verweise hat es bisher gegeben, sagt Militaersprecher Kimmit, das seien Einzelfaelle.
In Briefen nach Hause hat einer der beschuldigten Militaerpolizisten, jedoch ueber weitverbreitete beunruhigende Gefaengnispraktiken berichtet, erzaehlt die Mutter.
Die Armee sucht jetzt Suendenboecke, ergaenzt der Onkel.
In der Zeitschrift New Yorker berichtet der angesehene Aufdeckungsjournalist Seymour Hersh von einem richtiggehenden System der Erniedrigung.
Das habe eine interne Untersuchung der Armee ergeben.
Jemand hat diesen jungen Kids gesagt, was sie tun sollen. So super haben sie sich gefuehlt, dass sie Fotos gemacht haben, sogar Videos und CDs gibt es, sagt Seymour Hersh.
Zu den akuten Problemen mit der irakischen Aufstandsbewegung, die auch am vergangenen Wochenende wieder einen schweren Blutzoll gefordert hat, kommt jetzt ein Glaubwuerdigkeitsverlust fuer die amerikanischen Streitkraefte, der schwer wiedergut zu machen ist.
Wie ernst die Affaire in der amerikanischen Oeffentlichkeit genommen wird?
Es hat sicher einige Zeit gedauert, bis man realisiert hat, was diese Bilder ausloesen in der arabischen Welt.
Aber jetzt kann kein Zweifel bestehen: das ist ein Waterloo sondergleichen das ist fuer die soweiso schon nicht einfachen amerikanischen Bemuehungen, die Herzen und Hirne der Irakis zu gewinnen.
Aus amerikanischer Perspektive faellt auf, wie wenig sich die Medien von der weltpolitischen Sprengkraft der Affaire beeindrucken liessen.
CBS hat diese Bilder trotzdem veroeffentlicht, nach mehreren Wochen Diskussion mit dem Pentagon,
der New Yorker zieht nach mit dem verheerenden internen Untersuchungsbericht der Armee.
Die amerikanischen Medien uebernehmen hier wieder jene Kontrollfunktion, die vielen im patriotischen Uberschwang des letzten Jahres abgegangen ist.
In der Politik gegenueber der arabischen Welt werden diese Berichte sehr schwer wegzuwischen sein.
Vor allem wenn sich herausstellt, dass das wirklich keine Einzelfaelle waren.
Seymour Hersh sagt ja, die Reservisten, die da Dienst taten waren offensichtlich ueberhaupt nicht vorbereitet auf ihre Aufhabe.
Sie wussten weder wie man Haeftlinge behandelt noch welche Rechte sie nach der Genfer Konvention haben.
Das Sagen hatten Leute vom vom militaerischen Nachrichtendienst , vom CIA und auch von privaten Sicherheitsorganisationen, und die wollten, dass die Gefangenen psychisch gebrochen werden, bevor sie zum eigentlichen Verhoer kommen.
So steht das offensichtlich in dem internen Untersuchungsbericht, auf den sich Seymour Hersh beruft.
Da fuehlen sich die Kritiker bestaetigt, die sagen: das Pentagon zwar die Invasion selbst vor einem Jahr sehr gut geplant hat, fuer die Nachkriegszeit und die Aufgaben einer Besatzungsmacht sei man aber aber voellig unvorbereitet und konzeptlos gewesen.

 

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