Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Interview mit dem EU-Außenpolitikbeauftragten Javier Solana, ZiB 2, 25.9.2002


Die Kriegsvorbereitungen schreiten voran im arabischen Golf. Das erste Mal seit langem trainieren hier Amerikaner und Kuweitis gemeinsam nur wenige Kilometer von der irakischen Grenze entfernt.
Dass der Irak Massenvernichtungswaffen herstellt das weist das Kabinett in Bagdad heute neuerlich zurück.
Die Geheimdienstinformationen, die Grundlage dieser Berschuldigungen sind, die teilen wir mit den Verbündeten, versichert der amerikanische Verteidigungsminister.
Aber der Sturz des Saddam-Regimes bleibt unverändert das Ziel der USA.
Die meisten Europäer sind skeptisch, für sie hat der UNO-Sicherheitsrat die letzte Entscheidung betont in Wien der EU-Außenpolitikbeauftragter Solana.
Und diese Entscheidung sei heute oder morgen zu erwarten.

FRAGE:
Aber sanktioniert die UNO nicht nur, was die Amerikaner längst beschlossen haben, nämlich dass Saddam Hussein gestürtzt werden soll.

JAVIER SOLANA:
Nein, wie kann man sagen, dass der Sicherheitsrat
Einfach den USA folgen wird. Das sind stolze Staaten mit eigenen Positionen, die manchmal mit jenen der USA übereinstimmen und manchmal nicht, das zeigt sich dann in der Beschlussfassung.

FRAGE:
Aber sagt nicht der amerikanische Präsident immer wieder, dass die USA auf jeden Fall gegen den Irak vorgehen werden, unabhängig von der UNO und sogar wenn Waffeninspektoren hereingelassen werden.

JAVIER SOLANA:
Nein, ich glaube nicht, dass das die endgültige Position der USA sein wird. Zu allererst muß Saddam Hussein die UNO-Resolutionen erfüllen. Das war bisher nicht der Fall, daher müssen die Vereinten Nationen Druck ausüben. Der Irak muss gezwungen werden bedingungslos seine Massenvernichtungsmittel aufgeben, von selbst passiert das nicht.

FRAGE:
Aber ist in Wirklichkeit nicht der Ölreichtum des Irak der Grund für das amerikanische Vorgehen?

JAVIER SOLANA:
Nein, ich glaube nicht, dass das entscheidend ist. Ich habe Ihnen schon gesagt, wir reden hier nicht von Nebensächlichkeiten. Wir sprechen von sehr, sehr ernste Bedrohungen durch Massenvernichtungswaffen. Und die gefährden die ganze Welt, das amerikanische Volk genauso wie das österreichische oder das italienische oder die Völker des Nahen Ostens.

FRAGE:
Aber spielt das Öl wirklich keine Rolle?

JAVIER SOLANA:
Eine gewisse Rolle spielt das Öl, aber es ist nicht die treibende Kraft, denn es gibt in Wirklichkeit genug Ölresoucen im Rest der Welt.

FRAGE:
Aber nicht nur der Irak, auch Israel hält sich nicht an UNO-Resolutionen. In der arabischen Welt spricht von von zweierlei Mass.

JAVIER SOLANA:
Alle UNO-Resolutionen müssen eingehalten werden, aber bei Massenvernichtungswaffen, da geht es um eine Gefährdung ganz besonderer Art. Aber natürlich, wir Europäer und auch ich persönlich, wir verlangen, dass alle UNO-Resolutionen eingehalten werden.

 

 

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