Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Soldatenmutter belebt US-Friedensbewegung, MoJ, 20.8.2005

Weil sie ihre kranke Mutter in Los Angeles besuchen will, hat Cindy Sheehan, die zur Symbolfigur der amerikanischen Friedensbewegung geworden ist, ihre Mahnwache vor den Toren der Praesidentenranch in Texas unterbrochen.
Aber Dutzende Demonstranten haben inzwischen den Platz der kaempferischen Soldatenmutter eingenommen.
Unvermutet ist die unwirtliche Gegend um die Ranch George Bushs diesen Sommer zum Kristallisationspunkt einer neuen Antikriegsbewegung geworden, die sich vor allem auf Angehoerige amerikanischer Soldatenfamilien stuetzt.
Es reicht, beteuert eine Demonstrantin, dafuer, was im Irak passiert, muessen unsere Soehne nicht sterben
Erreicht hat diese Aufmerksamkeit die 48 jaehrige Cindy Sheehan, deren Sohn im vergangenen Jahr im Irak umgekommen ist, mit ihrer Forderung nach einer Audienz beim Praesidenten. Nicht weggehen wollte sie von ihrem Lager am Strassenrand, bis zum gewuenschten Termin mit George Bush.
Ich will den Praesidenten fragen, warum er meinen Sohn getoetet hat, lautet ihre provokante Frage.
Es half nichts, dass das Weisse Haus an ein Gespraech im vergangenen Jahr erinnerte, als die Demonstrantin Teil einer Gruppen trauernder Soldatenmuetter war , die von Bush getroestet wurde. Dutzende Friedensaktivisten aus dem ganzen Land stroemten nach Texas, um Cindy Sheehan zu unterstuetzen.
Die Geschichte von der furchtlosen Soldatenmutter, die es wagt den Praesidenten der Vereinigten Staaten entgegenzutreten, machte Sheehan schlagartig zum Medienstar.
Linksliberale Gruppen wie Move On schickten Medienberater nach Crawford. Schliesslich musste auch der urlaubende George Bush selbst Stellung beziehen:
Ich trauere um jeden Todesfall, beteuert Bush, es bricht mir das Herz, wenn ich an die Familien denke, die einen Angehoerigen beweinen, aber ein Truppenabzug aus dem Irak, wie Cindy Sheehan das verlangt, sei nicht die Loesung.
Antikriegsaktivisten sehen im unerwartet grossen Echo auf die Mahnwache der Soldatenmutter ein Zeichen dafuer, dass sich das Klima aendert in Amerika. Das Vertrauen in die Irakpolitik der Regierung sinkt. Auch in der republikanischen Partei wachsen die Zweifel.
Chuck Hagel, ein unbequemer republikanischer Senator aus Nebraska, fuehlt sich an die Stimm der Zeit des Vietnamkrieges erinnert.
Es gibt jetzt im ganzen Land Friedensdemonstrationen, so der republikanische Senator Chuck Hagel, auch bei mir zu Hause in Nebraska, und oft sind es die Angehoerigen von gefallenen Soldaten, die auf die Strasse gehen.
Cindy Sheehan will auf jeden Fall demnaechst wieder zu den Demonstranten stoessen. Es koennte ein heisser Herbst werden fuer das Weisse Haus.

 

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