Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Somalia-Islamistensieg, MoJ, 6.6.2006

Verworren scheint die Situation im Ostafrikanischen Staat Somalia zu sein: zwei Tage nachdem eine Islamistische Fraktion sich in der Stadt Mogadischu zum Sieger eines monatelangen Buergerkrieges erklaert hat, erklaeren unterlegene Stammesfuehrer, dass sie weiterkaempfen wollen. Die USA sorgen sich, dass Somalia eine neue Heimstaette Al Kaida werden koennte.
Dass die USA mit der Einnahme von Mogadischu durch somalische Islamisten einen schweren Rueckschlag erlitten haetten, bestritt der Sprecher des Aussenministeriums. Die Lage sei im Fluss, auf allen Seiten der Front gebe es unterschiedliche Fraktionen. Aber niemand in Washington bestretet, dass die USA seit Jahren eine Gruppe von Stammesfuehrern mit antiterroristischer Phraseologie unterstuetzen, die sich jetzt militaerisch in die Defensive gekommen sind.
Mit Schrecken erinnert man sich im State Department, dass Al Kaida Chef Osama Bin Laden vor zehn Jahren im Sudan und spaeter in Afghanistan Zuflucht erhielt, eine fundamentalistische Gruppe an die Macht kam. Und ein bischen erscheint Somalia schon so aehnlich wie Afghanistan in den Neunzigerjahren: auch dort sind die als Koranschueleger geltenden Taliban in der Hauptstadt eingezogen, nachdem die Menschen durch jahrelange Kaempfe zwischen Warlords und Milizen erschoepft und demoralisiert waren.
Kenner Ostafrikas warnen jedoch vor vereinfachenden Parallelen. Der Ruf nach der Scharia, dem islamischen Recht, in den Armenvierteln Mogadischus sei nicht Ausdruck religioesen Fanatismus, sondern druecke den Wunsch nach irgendeinem gueltigem Rechtssystem aus. Bei dem Chaos, das seit 15 Jahren in Somalia herrsche, waere ein Islamischer Staat, wie ihn die Sieger fordern, primaer ein Schritt in Richtung Frieden, so die Gegenmeinung.
Die USA waren seit dem Massaker an 18 amerikanischen Soldaten im Jahr 1993 in Somalia nicht mehr praesent. Aber auch aus der Ferne hat man mit Sorge die wachsende Rolle der fuer einen Gottesstaat kaempfenden Islamisten beobachtet. Die Folgen war diskrete finanzielle Unterstuetzung fuer eine Gruppe von Warlords, die sich bereitwillig als Antiterroristische Koalition bezeichneten. Von einem direkten Eingreifen will in Washington niemand etwas wissen. Aber die USA beobachten die Lage genau, bestaetigt auch Praesident Bush, ein Refugium fuer Al Kaidfa duerfe Somalia nicht werden.



 

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