Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Spionageskandal Hewlett-Packard, MoJ, 13.9.2006

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Der Spionageskandal in der amerikanische Computerfirma Hewlett Packard hat ein prominentes Opfer gefordert. Verwaltungsratsvorsitzende Patricia Dunn tritt Anfang des Jahres zurueck. Inzwischen interessiert sich auch die Justiz dafuer, was in den Direktionsetagen der weltbekannten Firma passiert.

Mit dem Ruecktritt von Patricia Dunn verliert Hewlett-Packard die zweite oberste Chefin innerhalb kurzer Zeit. Erst im vergangenen Jahr musste Carly Fiorina, eine der schillerndsten Spitzenmanagerinnen Amerikas, nach Unstimmigkeiten mit dem Verwaltungsrat das Handtuch werfen. Seither reisst die Skandalserie in den Fuehrungsetagen der prominenten Computerfirma nicht mehr ab. Denn waehrend der Querelen um Carly Fiorina, sind immer wieder vertrauliche Informationen aus dem Fuehrungsgremium an die Oeffentlichkeit gelangt. Es war eine schwierige Zeit, in der Hewlett-Packard, lange Zeit der Inbegriff von Innovation in Silicon Valley, mit dem einstigen texanischen Konkurrenten Compaq fusionierte. Patricia Dunn, die neue starke Frau an der Spitze, wollte unter allen Umstaenden herausfinden, wo die Lecks in der obersten Fuehrung liegen. Dazu engagierte die Vorsitzende ein privates Detektivbuero, mit einem ungewoehnlichen Auftrag: die eigenen Direktoren sollten bespitzelt werden. Um die Telefonlisten in den Hand zu bekommen, aus denen hervorgeht, wer mit wem telefoniert, meldeten sich die Detektive unter dem Namen verdaechtiger Hewlett Packard Boss bei den Telefonfirmen und liessen sich die Telefonnummern geben, die von den privaten Anschluessen der Direktoren angerufen wurden. Aber die Vortaeuschung einer falschen Identitaet, das ist nach kalifornischem Gesetz eindeutig verboten. Auch Journalisten der New York Times, des Wallstreet Journal und anderer prominenter Medien wurden mit zweifelhaften Methoden ueberwacht.
In der Sache selbst war das Unternehmen erfolgreich. Hewlett-Packard Direktoriumskollege George Keyworth musste schon im vergangenene Mai zugeben, dass er die Quelle der laestigen Indiskretionen war. Der gespraechige Direktor wollte jedoch vorerst nicht zuruecktreten. Statt dessen legte der Streit um die wenig subtilen Aufklaerungsbemuehungen die gesamte Hewlett-Packard Spitze lahm. Aus Protest gegen Patricia Dunn verliess Thomas Perkins, einer der bekanntesten Finanzgurus der Computerwelt das Gremium. Nachdem in den letzten Tagen nicht nur die kalifornischen Behoerden, sondern auch das amerikanische Justizministerium, das FBI und sogar der Kongress begannen, sich fuer den Skandal zu interessieren, war der Rueckzug Patricia Dunns nur mehr eine Frage der Zeit.
Patricia Dunn, ist unter den Spitzenmanagern Amerikas eine ziemlich singulaere Erscheinung. Nicht nur als Frau, die sehr selten sind in den obersten Etagen, sondern auch weil sie mit legendaerer Haerte und viel Fleiss einen atemberaubenden sozialen Aufstieg geschafft hat. Die Mutter war Showgirl in Las Vegas, der Vater war Schauspieler und betreute Kasinos. Gleich vier Mal hatte Patricia Dunn in den vergangenen Jahren mit Krebs zu kaempfen. In ihrem Job ist sie trotzdem keiner Herausforderung ausgewichen, so hiess es bei Hewlett-Packard. Patricia Dunn hat sich entschuldigt, von den umstrittenen Ermittlungsmethoden habe sie nie etwas gewusst.

 

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