Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Streit zu Libyenaktion in EU, ZiB 1, 21.3.2011


Die Militäraktion im fernen Libyen wirbelt auch Europas AUssenpolitik gehörig durcheinander. Weil die Bevölkerung von Bengazi vor Gaddafi gerettet wurde, spricht Frankreichs Aussenminister von einem wichtigen ersten Erfolg. Die Europäer verschärfen ihre Sanktionen gegen Gaddafi. Demonstrativ auf Distanz zum Luftkrieg der Verbündeten bleibt jedoch Deutschland. OT Westerwelle. Die Europäische Union will sich vor allem auf humanitäre Massnahmen konzentrieren, falls nötig sind die EU-Staaten aber auch bereit Hilfseinsätze militärisch zu schützen. ASHTON Alles, was wir tun hat ein einziges Ziel, den Völkern Libyens zu helfen. Die Europäische Union versteht sich als politische und nicht als karitative Union. Daher ist in der Libyenkrise auch das Know How der EU-Militärs gefragt. SPINDELEGGER Auffällig schwer tut sich die NATO selbst mit der Koordination der Angriffe. Jedes NATO-Land, das sich an der Libyenaktion beteiligt, hat seine eigene Kommandostruktur. Selbst die Erfolgsberichte der Militärs werden der Presse streng getrennt präsentiert. Während Frankreich vorprescht, lehnt die Türkei ein NATO-Kommando über die Luftschläge ab. Nach wie vor hat sich die Allianz auf keinen Plan zur Durchsetzung der von UNO geforderten Flugverbotszone geeinigt.

Welche Bilanz zieht man in NATO und EU nach 3 Tagen Kämpfen? Was bleibt noch zu tun?
Die Militärs sagen, dass das unmittelbare Ziel des Eingreifens erreicht wurde. Gaddafis Offensive gegen die Opposition ist vorläufig gestoppt worden. Der französische Außenminister Juppe sagt wenn man sich auf Sanktionen alleine hätte verlassen müssen, dann stünde Gaddafi heute in Bengasi und es gäbe ein Massaker unter der Zivilbevölkerung.
Politisch ist die Sorge, dass die Unterstützung der arabischen Welt für rasch zurückgehen könnte, wenn die Angriffe länger dauern. Denn das politische Ziel ist natürlich ein Sturz Gaddafis, und das kann noch dauern.
Wie gefährlich D-F-Gegensätze
Das ist sicher die größte Belastung für die traditionelle deutsch-französische Achse in der EU seit langem.
Im letzten Jahr, als es in Europa um die Eurorettung ging, da hat sich alles um Deutschland gedreht. Jetzt ist es schlagartig anders, Frankreich gibt den Ton an und Deutschland steht kritisierend am Rande.
Gute Konstellation ist das keine.
In der NATO hat man trotz tagelanger Verhandlungen noch immer kein gemeinsames Konzept zur Umsetzung einer Flugverbotszone beschließen können. Wo liegen die Fronten?
Es ist wirklich eine ziemlich unglaublich: da läuft eine multinationale Militäraktion, aber es gibt kein gemeinsames Kommando. Es gibt nicht einmal einen gemeinsamen Namen, Briten, Amerikaner und Franzosen haben unterschiedliche Bezeichnungen für diese Aktion.
In der Praxis geben die Amerikaner die Angriffziele vor, aber die USA wollen stärker in den Hintergrund treten. Und damit tun sich die NATO-Partner mit ihren unterschiedlichen Interessen sehr, sehr schwer.
Auf die militärischen Operationen selbst hat das keine unmittelbaren Auswirkungen.


 

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