Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Streit um Weihnachten, Mittagsjournal, 21.12.2004

Wie christlich darf oder muss die Weihnachtszeit sein? Mehr als je zuvor beschaeftigt die Frage dieses Jahr in den USA Buergermeister und Schuldirektoren, Richter und Geschaeftsleute. Denn im multikulturellen Amerika wird nicht nur die Gebuert Christi gefeiert, sondern ebenso oeffentlich das juedischer Lichterfest von Hannukka oder auch Kwanza, ein afroamerikanisches Jahresabschlussfest.
Niemand will man veraergern und in oeffentlichen Einrichtungen gilt sowieso die strenge Trennung von Kirche und Staat. Vor den Rathaeusern regiert daher Santa Claus, der weltliche Weihnachtsmann, Krippen mit dem Jesuskind sind hier normalerweise verpoent.
In den oeffentlichen Schulen , soweit sie nicht privat sind, singen die Kids Jingle Bells, aber Frosty the Snowman. Niemals jedoch Stille Nacht, Heilige Nacht.
Und auch die Shopping Malls wuenschen immer oefters "Schoene Feiertage" und nicht: "Froehliche Weihnachten".
Der Verweltlichung des Weihnachtsfestes haben jetzt konservative christliche Organisationen den Kampf angesagt. In North Carolina fordern in einer Christlichen Action League zusammengeschlossene christliche Gemeinden zum Boykott von Geschaeften auf, die vor dem "Merry Christmals" zurueckschrecken und nur "Happy Hollidays" wuenschen. Save Merry Christmas, rettet das Frohe Weihnachten fordert eine Internet Homepage. Frohe Weihnachten abschaffen, das ist durchgedrehte politische Korrektiheit, sagt Homepagegruender Smorano. Das unvebrindliche schoene Feiertage wird nie ein Ersatz sein.
"Wir stehen mitten im Kulturkrieg", zitiert die Los Angeles Times einen Sprecher der Gruppe, die die christlichen Wurzeln Amerikas bedroht sieht. Bekannte Marken wie der Body Shop, die internationale Kosmetikkette, die nur Happy Hollidays wuenschen, sind auf der Abschlussliste. In Kalifornien laeuft aus dem gleichen Grund eine Boykottkampagne gegen die bekannten Kaufhausketten Macy's und Bloomingdale's. Die Los Angeles Times berichtet, dass der Buergermeister von Denver im Bundesstaat Colorado nach einem Sturm der Empoerung doch wieder "Frohe Weihnachten" vom Rathaus erstrahlen laesst.
Verwirrung gab es im Bezirk Pasco in Florida. Der Bezirkshauptmann liess alle Christbaeume als unerlaubte religioese Symbole aus oeffentlichen Schulen entfernen, nachdem ein Buerger auch verlangt hat, dass eine juedischer Chanuukaleuchter aufgestellt wird. Fernsehprediger Pat Robertson schaltete eine Anwaltskanzlei ein, und jetzt sind sowohl christliche Weihnachtssterne als auch juedische Leuchter zugelassen. Sandra Snowdon im Nachbarbezirk hat sogar erreicht, dass ihr ein Richter erlaubt Krippen vor Amtsgebaeuden aufzustellen, auf eigene Kosten versteht sich. Das ist nicht nur ein Sieg fuer mich alleine, sagt sie. Das ist ein Sieg fue alle Christen, die fuer ihre Rechte im oeffentlichen Raum und in den kaeufhaeusern kaempfen.
Die Washington Post erzaehlt die Geschichte von Jonathan Morgan aus Texas, der seinem neunjaehrigen Sohn Zuckerlstangerln in der Form eines J fuer Jesus mitgab, um das religioese Propagandaverbot bei der Weihnachtsfeier in der Schule zu unterlaufen. Die roten Streifen der Suessigkeit symbolisieren das Blut, das Christus fuer die Suenden der Menschheit vergossen hat, sagt der Vater. Als die Lehrer die Suessigkeiten konfiszierten ging Jonathan Morgan zum Richter. Und der verfuegte letzte Woche, dass Geschenke mit religioesem Hintergrund in den sekulaeren Schulen Amerikas zugelassen sind. Auch in diesem Fall standen christlich-fundamentalistische Gruppen hinter der Aktion.
Eine salamonische Loesung fand George Bush in Washington: First Lady Laura Bush hat im Garten des Weissen Hauses sowohl einen siebenarmigen juedischen Leuchter entzuendet, als auch einen Christbaum. Fuer den unglaeubigen Teil Amerikas stellte man Hund Barney ins Zentrum des diesjaehrigen Weihnachtsvideos.
Und wie verabschiedet sich der Chef selbst, der sonst mit religioesen Symbolen nicht so zimperlich umgeht, von den Journalisten bei der Jahresabschlusspressekonferenz?
Vom Praesidenten der Vereinigten Staaten gibt es ein klares: Schoene Feiertage.

 

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